Guy Spier, der in Zürich ansässige Value-Investor hinter Aquamarine Capital, ist seit langem für seinen von Warren Buffett inspirierten "Coffee Can"-Anlagestil bekannt – den Kauf hochwertiger Unternehmen und deren jahrelange Haltung mit minimalem Umsatz. Doch seine jüngste 13F-Einreichung für das vierte Quartal 2025 zeigt eine subtile Verschiebung: Während das Portfolio weiterhin hochkonzentriert bleibt, hat Spier mehrere seiner größten Positionen reduziert, darunter Berkshire Hathaway, American Express und Mastercard.
Portfolio-Aufschlüsselung: Eine konzentrierte Wette auf dauerhafte Franchises
So setzt sich Guy Spiers Portfolio für das vierte Quartal 2025 zusammen:
| Unternehmen | Ticker | Allokation | Aktuelle Aktivität |
|---|---|---|---|
| Berkshire Hathaway (Klasse B) | BRK.B | 33,25 % | Um ~30 % reduziert |
| American Express | AXP | 16,30 % | Um ~69 % reduziert |
| Mastercard | MA | 15,48 % | Um ~39 % reduziert |
| Berkshire Hathaway (Klasse A) | BRK.A | 15,35 % | Keine Veränderung gemeldet |
| Moody's Corporation | MCO | 9,35 % | Unverändert gehalten |
| Ferrari N.V. | RACE | 6,48 % | Unverändert gehalten |
| Daily Journal Corp. | DJCO | 3,80 % | Unverändert gehalten |
Gesamtwert des Portfolios: 147,5 Millionen US-Dollar
Anzahl der Positionen: 7
Umsatzrate: Niedrig (keine neuen Positionen hinzugefügt)
Strategische Reduzierungen: Gewinne realisieren
Spiers Entscheidung, seine größten Positionen – insbesondere Berkshire Hathaway und American Express – zu reduzieren, markiert eine bemerkenswerte Verschiebung. Über Jahre hinweg haben diese Aktien sein Portfolio verankert und seine Bewunderung für Buffetts Geschäftssinn und Disziplin bei der Kapitalallokation widergespiegelt.
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Berkshire Hathaway (BRK.B): Spier reduzierte seine Beteiligung um etwa 30 %, obwohl sie weiterhin seine größte Position bleibt.
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American Express (AXP): Der dramatischste Rückgang, um fast 70 %, deutet auf Bewertungsbedenken oder den Wunsch nach einer Rebalancierung hin.
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Mastercard (MA): Um etwa 39 % reduziert, möglicherweise eine Gewinnmitnahme nach starker Performance.
Diese Schritte signalisieren keinen Verlust der Überzeugung, sondern vielmehr eine taktische Anpassung. Angesichts von Märkten nahe Allzeithochs und weiterhin hohen Zinssätzen könnte Spier Gewinne realisieren, während er seine Exposition gegenüber seinen bevorzugten Franchises beibehält.
Im Herzen immer noch Buffett: Berkshire bleibt der Anker
Trotz der Reduzierung von BRK.B macht Spiers kombinierte Berkshire-Position (BRK.A + BRK.B) immer noch fast 49 % seines Portfolios aus. Das ist ein klarer Vertrauensbeweis in die Post-Buffett-Ära, die nun von Greg Abel geführt wird.
Spier hat Berkleys dezentrale Struktur, die Festungsbilanz und die Fähigkeit, Kapital ohne Aufsehen zu vermehren, lange gelobt. Selbst nachdem Buffett als CEO zurückgetreten ist, scheint Spier sich wohl damit zu fühlen, Berkshire als Kernposition zu halten.
American Express und Mastercard: Reduzierungen, keine Aufgabe
Spiers Kürzungen bei AXP und MA mögen Stirnrunzeln verursachen, aber beide Aktien bleiben Top-Drei-Positionen. Es handelt sich um Unternehmen mit breiten Wettbewerbsvorteilen, starker Markenbekanntheit und globaler Reichweite – Eigenschaften, die Spier konsequent sucht.
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American Express: Trotz der Reduzierung hält Spier weiterhin eine bedeutende Beteiligung. Die wohlhabende Kundschaft des Unternehmens und das geschlossene Systemmodell generieren weiterhin starke Renditen.
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Mastercard: Als globaler Marktführer im Bereich digitaler Zahlungen profitiert Mastercard von strukturellen Trends bei bargeldlosen Transaktionen und E-Commerce.
Die Reduzierungen spiegeln wahrscheinlich Bewertungsdisziplin wider und keine Änderung der Investmentthese.
Moody's: Stille Überzeugung bei einem Rating-Riesen
Spiers 9,35 %-Allokation in Moody's (MCO) ist ein klassischer Zug eines Value-Investors. Das Unternehmen genießt ein nahezu duopolistisches Stellung im Kreditratinggeschäft, hohe Margen und wiederkehrende Einnahmen. Es ist auch ein langjähriger Favorit von Buffett.
Moody's macht selten Schlagzeilen, aber es ist eine Vermehrungsmaschine. Spiers unveränderte Position deutet auf stille Überzeugung hin.
Ferrari: Eine Luxuswette mit Markenstärke
Ferrari (RACE) macht 6,48 % des Portfolios aus – eine relativ kleine, aber aussagekräftige Position. Spier hat über die Kraft von Marke und Preissetzung in Luxusunternehmen gesprochen, und Ferrari entspricht diesem Profil.
Mit limitierter Produktion, hohen Margen und einer treuen Kundschaft bietet Ferrari eine einzigartige Mischung aus Knappheit und Profitabilität. Es ist auch ein Hedge gegen Inflation, da Ultra-Luxus-Käufer weniger preissensibel sind.
Daily Journal: Ein Munger-Vermächtnis-Holding
Spiers 3,8 %-Beteiligung an der Daily Journal Corp. (DJCO) ist eher symbolisch als strategisch. Das Unternehmen, das einst von Charlie Munger geleitet wurde, besitzt ein kleines Verlagshaus für juristische Publikationen und ein Portfolio marktfähiger Wertpapiere.
Obwohl kein Wachstumstreiber, spiegelt DJCO Spiers Respekt für Mungers Denkweise und seine Bereitschaft wider, eigenwillige, unter dem Radar liegende Vermögenswerte zu halten.
Keine neuen Positionen: Geduld über Aktivität
Einer der auffälligsten Aspekte von Spiers 13F-Einreichung für das vierte Quartal 2025 ist, was fehlt: keine neuen Positionen. In einem von Aktion besessenen Markt setzt Spier weiterhin auf Untätigkeit als Tugend.
Dies steht im Einklang mit seiner "Coffee Can"-Philosophie – großartige Unternehmen kaufen, sie wegschließen und die Vermehrung die Arbeit erledigen lassen. Es ist ein Stil, der in einer Welt des quartalsweisen Leistungsdrucks zunehmend selten ist.
Netzwerkbasierte Expansion: Warum Spiers Schritte wichtig sind
Spiers Portfolio ist nicht nur eine persönliche Aussage – es ist ein Signal an ein breiteres Netzwerk von Value-Investoren. Seine Schritte werden beobachtet von:
- Buffett-Jüngern, die nach Führung in der Post-Berkshire-Ära suchen
- Globalen Allokatoren, die konzentrierte, niedrigumsatzige Strategien suchen
- Privatanlegern, die bewährte langfristige Rahmenbedingungen nachahmen wollen
- Finanzmedien, die Guru-Portfolios zur Trendanalyse verfolgen
In einem von KI-Narrativen, Meme-Aktien und kurzfristiger Spekulation dominierten Markt ist Spiers 13F-Einreichung für das vierte Quartal 2025 eine Erinnerung daran, dass Geduld, Disziplin und Klarheit immer noch ihren Platz haben.
Fazit: Ein Portfolio, das durch Stille Bände spricht
Guy Spier hat im vierten Quartal keine auffälligen neuen Namen hinzugefügt. Er ist nicht der KI hinterhergelaufen. Er ist nicht in Energie oder Krypto rotiert. Stattdessen hat er einige Gewinner reduziert, seine Kernüberzeugungen bekräftigt und sein Portfolio für sich sprechen lassen.
Für Anleger, die einen Fahrplan durch Unsicherheit suchen, bietet Spiers jüngste 13F eine klare Botschaft: Besitzen Sie großartige Unternehmen. Bleiben Sie fokussiert. Reduzieren Sie, wenn es klug ist. Und lassen Sie die Zeit den Rest erledigen.