Intels Quartalsbericht für das vierte Quartal sollte eigentlich die Rückkehr des Konzerns bestätigen. Stattdessen wurde er zu einem brutalen Realitätscheck. Am Freitag, den 23. August, stürzten die Aktien von Intel (NASDAQ: INTC) um 17% ab, womit über 30 Milliarden US-Dollar an Börsenwert vernichtet wurden – der schlechteste Tagesverlust des Chipherstellers seit August 2024.
Der Verkauf folgte auf eine einmonatige Rallye, bei der Intel-Aktien fast 50% zulegten, angetrieben von Optimismus hinsichtlich der KI-Infrastrukturnachfrage, staatlicher und von Nvidia unterstützter Investitionen sowie der Vorstellung des auf dem fortschrittlichen 18A-Prozess basierenden Panther-Lake-Chips. Doch wie Bernstein-Analyst Stacy Rasgon es formulierte: "Wenn Ihr Aktienkurs vor den Quartalszahlen so steigt, sollten Sie einen perfekten Bericht vorlegen." Intel tat dies nicht.
Was schiefging: Starkes Q4, schwache Q1-Aussichten
Intels Ergebnisse für Q4 2025 übertrafen eigentlich die Erwartungen:
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Umsatz: 13,7 Milliarden US-Dollar (gegenüber erwarteten 13,4 Milliarden US-Dollar)
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Bereinigter Gewinn je Aktie (EPS): 0,15 US-Dollar (gegenüber Konsensschätzung von 0,08 US-Dollar)
Doch die Prognose für Q1 2026 enttäuschte:
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Umsatzprognose: 11,7–12,7 Milliarden US-Dollar (Mittelwert 12,2 Milliarden US-Dollar gegenüber erwarteten 12,5 Milliarden US-Dollar)
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EPS-Prognose: Break-even, kein nennenswerter Gewinn erwartet
Die schwache Prognose wurde auf interne Lieferengpässe zurückgeführt, insbesondere bei der Deckung der Nachfrage nach Server-CPUs für KI-Rechenzentren. Intel-CEO Li-Wu Chen räumte das Problem ein und erklärte, das Unternehmen arbeite "unermüdlich daran, die Fertigungseffizienz und -ausbringung zu verbessern".
Die KI-Nachfragelücke: Intel war nicht bereit
Intels Unfähigkeit, die sprunghaft steigende Nachfrage nach KI-Serverchips zu bedienen, offenbarte zwei Hauptprobleme:
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Unterauslastung der Fertigungsanlagen
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Unterschätzung der CPU-Nachfrage von Hyperscalern
Analysten zufolge wurde Intel kalt erwischt. Trotz optimistischer Prognosen und prominenter Unterstützung – einschließlich einer Social-Media-Empfehlung von Präsident Trump – war die interne Kapazität des Unternehmens nicht lieferbereit.
Diese Kluft zwischen Hype und Umsetzung löste aus, was Rasgon als "gewaltige Diskrepanz" zwischen den Erwartungen der Anleger und der operativen Realität bezeichnete.
Panther Lake und der 18A-Prozess: Ein technischer Meilenstein, aber nicht genug
Die Einführung des auf dem 18A-Prozess basierenden Panther-Lake-Chips sollte ein Wendepunkt für Intel sein. Der Chip repräsentiert den bisher fortschrittlichsten Fertigungsknoten von Intel und zielt darauf ab, die Führungsposition in der Prozesstechnologie zurückzuerobern.
Doch der Produktstart konnte die grundlegenderen Bedenken nicht ausräumen:
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Fertigungsverzögerungen
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Begrenzte externe Foundry-Kunden
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Keine bestätigten Apple-Partnerschaften trotz anhaltender Gerüchte
Ohne bedeutende externe Kunden bleibt Intels kostenintensives Fertigungsmodell schwer zu rechtfertigen.
Wettbewerbsdruck: AMD und Arm gewinnen weiter an Boden
Intels CPU-Geschäft verliert weiter Marktanteile an AMD und Arm, insbesondere bei PCs und Data-Center-Servern. Diese Erosion erschwert es Intel, sein Foundry-Geschäft zu skalieren oder neue Kunden zu gewinnen.
Unterdessen bleibt TSMC die dominierende Kraft in der globalen Chipherstellung. Intels Aufholbemühungen – einschließlich seines nächsten 14A-Prozesses – werden laut HSBC-Analyst Frank Lee erst 2028 oder 2029 Früchte tragen.
Intel gibt an, seine 14A-Kundenliste Ende 2026 oder Anfang 2027 bekanntzugeben, doch die Umsatzrealisierung wird Jahre dauern.
Foundry-Ambitionen: Ein langer Weg liegt vor uns
Intels Foundry-Geschäft ist zentral für seine Erholungsgeschichte. Doch Analysten zufolge ist es weit von einer "sauberen" Investment-Story entfernt.
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Umsetzungsprobleme haben den Fortschritt verzögert
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Investitionsausgaben (CAPEX) steigen
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Kundengewinnung bleibt schleppend
Rasgon glaubt, dass die Restrukturierung bis zu 10 Jahre dauern könnte, um vollständig abgeschlossen zu sein. Lee fügt hinzu, Intels Geschichte sei aufgrund ihrer Komplexität und langen Zeitrahmen "schwer zu handeln".
Anlegersentiment: Von Meme-Aktie zum Realitätscheck
Intel-Aktien waren in den letzten Wochen zu einem Spekulationsfavoriten geworden, wobei einige Händler sie wie eine Meme-Aktie behandelten. Die Rallye wurde befeuert durch:
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Staatliche und Nvidia-Investitionen
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Optimismus hinsichtlich KI-Rechenzentren
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Trumps öffentliche Unterstützung
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Panther-Lake-Hype
Doch der Absturz am Freitag erinnerte Anleger daran, dass die Umsetzung immer noch zählt. Intels Erholung mag im Gange sein, doch sie ist noch lange nicht abgeschlossen.
Was als Nächstes zu beobachten ist
1. Umsetzung im Q1
Kann Intel seine Lieferengpässe beheben und die Nachfrage nach KI-Serverchips bedienen?
2. Foundry-Kundengewinne
Wird Intel bedeutende Kunden für seinen 14A-Prozess gewinnen?
3. Wettbewerbspositionierung
Kann Intel Marktanteile von AMD und Arm zurückgewinnen?
4. Kapitaldisziplin
Wie wird Intel steigende Kosten bei schwacher Profitabilität managen?
5. Externe Partnerschaften
Werden die gerüchteweise genannten Deals mit Apple oder anderen Tech-Giganten zustande kommen?
Fazit: Eine harte Erinnerung daran, dass Erholungen Zeit brauchen
Intels 17-prozentiger Absturz ging nicht nur um Quartalszahlen – es ging um Glaubwürdigkeit. Das KI-Narrativ des Unternehmens, so überzeugend es auch sein mag, wird nach wie vor durch Fertigungsrealitäten und Wettbewerbsdruck eingeschränkt.
Für Anleger ist die Botschaft klar: Intels Erholung wird nicht linear verlaufen. Das Unternehmen mag letztlich wieder auf festen Füßen stehen, doch der Weg dorthin ist lang, kostspielig und voller Umsetzungsrisiken.