Nach der deutlichen Korrektur im November erklärt Goldman Sachs, dass mehrere Marktindikatoren "zurückgesetzt" wurden und damit eine stabilere Basis für eine mögliche Jahresendrally geschaffen wurde. Der jüngste Marktbeobachtungsbericht der Investmentbank hebt verbesserte Marktbreite, reduzierte Volatilität und einen Wandel beim KI-Investmentthema von hypegetriebenen Verkäufen hin zu realen Anwendungen hervor.
Die November-Korrektur
Die Händler von Goldman stellten fest, dass die Erwartungen an eine Jahresendrally übermäßig verbreitet waren – selbst langfristige Bären wurden bullish. Dieser Optimismus, kombiniert mit dem hawkischen Ton der US-Notenbank am 29. Oktober, löste eine deutliche Korrektur aus.
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Der Index für unprofitablen Tech-Aktien fiel um 23 % von seinem Höchststand.
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Das Portfolio der meist leerverkauften Aktien verlor 29 %.
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Die Volatilität stieg stark an, wobei der 20-Tage-Stilfaktor über 20 kletterte und damit die moderaten Bewegungen des S&P 500 deutlich übertraf.
Lee Coppersmith von Goldman erklärte, dass die Schwankungen durch "Stilfaktoren" getrieben wurden, die Wachstumswerte, Value-Titel und KI-Gewinner am stärksten trafen.
Anzeichen der Stabilisierung
Seit Mitte November zeichnen sich mehrere positive Signale ab:
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Die übermäßig bullish Stimmung bei den sieben großen Tech-Aktien hat sich entspannt.
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Verzerrungen im Optionsmarkt, wie die Inversion der Put-Call-Skew, sind verschwunden.
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Die Positionierungsniveaus sind wieder neutral.
Die Marktbreite hat sich ebenfalls verbessert. Der 5-Tage-Durchschnitt der steigenden gegenüber fallenden Aktien im S&P 500 erholte sich von -150 Anfang November auf +150, was zeigt, dass die Beteiligung über einige wenige Titel hinaus breiter geworden ist.
Volatilität und Kapitalströme
Der proprietäre Volatilitätsindex von Goldman ist von seinen November-Höchstständen auf 5 gefallen, nur leicht über dem Dreijahresdurchschnitt von 4,6. Subindizes, die die implizite Volatilität und die Optionsskewness messen, haben sich abgekühlt.
Systematische Strategiefonds, die im vergangenen Monat über den S&P 500 etwa 16 Milliarden US-Dollar verkauften, werden voraussichtlich im Dezember zu moderaten Käufen von rund 4,7 Milliarden US-Dollar übergehen. Goldman erklärt, dies markiere eine "deutliche Verringerung" des Tail-Risikos durch erzwungene Verkäufe.
Das KI-Thema entwickelt sich
Besonders bemerkenswert ist die Ausweitung des KI-Investmentnarrativs. Der neue Aktienkorbindex von Goldman verfolgt "Old-Economy"-Unternehmen, die KI-Tools zur Kostensenkung und Gewinnsteigerung einsetzen. Dies spiegelt einen Übergang vom bloßen "Verkaufen von KI" zum "Einsetzen von KI" wider, wobei die Technologie zunehmend mit messbaren Produktivitätsgewinnen verbunden wird.
Die Bank betonte, dass die USA langfristige Stärken bei Investitionen in immaterielle Vermögenswerte, Ressourcenallokation und Unternehmensskalierung behalten. KI-Anwendungen, so das Argument, werden zum nächsten strukturellen Wachstumstreiber werden.
Das Fazit
Goldman Sachs ist der Ansicht, dass die Kombination aus ausgeglichenen Tech-Positionen, verbesserter Marktbreite, reduzierter Volatilität und nachlassenden systemischen Druck einen klareren Ausgangspunkt für den Dezember geschaffen hat. Da die Panik nachlässt und die KI-Themen an Tiefe gewinnen, erscheint die Basis für eine Jahresendrally solider als noch vor wenigen Wochen.