Trotz eines kürzlichen Rückgangs von 5 % bei US-Aktien könnten Befürchtungen über einen bevorstehenden Bärenmarkt übertrieben sein. Laut Bloomberg-Makrostrategen Simon White deuten reichlich Liquidität und koordinierte Unterstützung sowohl durch die Federal Reserve als auch das US-Finanzministerium darauf hin, dass der Rückgang eher eine Korrektur als der Beginn eines systemischen Abschwungs ist.
Die "Zwillings-Put"-Unterstützung
White argumentiert, dass der Markt derzeit durch das geschützt wird, was er einen "Zwillings-Put" nennt – eine Kombination aus fiskalischer und monetärer Unterstützung.
- Fiskal-Put: Das Finanzministerium spritzt durch die Ausgabe von Schatzwechseln Mittel in den Markt, was die quantitative Straffung (QT) der Fed ausgleicht. Historische Daten zeigen, dass wenn die Nettoausgabe von Schatzwechseln im Verhältnis zum Haushaltsdefizit über drei Monate steigt, die zukünftigen Aktienrenditen tendenziell besser abschneiden.
- Monetärer Put: Die Restliquidität – definiert als reales Geldwachstum in G10-Volkswirtschaften (in US-Dollar), das das reale Wirtschaftswachstum übersteigt – liegt derzeit bei +0,9. Wenn dieser Indikator hoch ist und steigt, sind Abwärtsrisiken begrenzt. Erst wenn er negativ wird und sinkt, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Bärenmarktes.
Kurzfristige Belastungen
Die jüngste Schwäche wurde mit einer sich verschärfenden Finanzierungsliquidität in Verbindung gebracht, aber White sieht dies als vorübergehende technische Störung. Er erwartet, dass die Fed QT im Dezember beenden und möglicherweise ihre Bilanz wieder ausweiten wird, um Reserven zu spritzen und Finanzierungsengpässe zu entschärfen.
Verschiebungen in der Marktstruktur
White warnt, dass Liquiditätsunterstützung nicht bedeutet, dass sofort ein Bullenmarkt einsetzt. Stattdessen zeigt der Markt Anzeichen einer Rotation:
- Value-Aktien schneiden besser ab als Wachstumswerte.
- Defensive Sektoren wie das Gesundheitswesen führen vor zyklischen Titeln.
- Anleger positionieren ihre Portfolios um, anstatt Momentum zu jagen.
Dies deutet auf ein differenzierteres Umfeld hin, in dem Gewinne möglich sind, aber nicht gleichmäßig über alle Sektoren verteilt.
KI und breitere Themen
Eine weitere bemerkenswerte Verschiebung ist die Entwicklung des KI-Investmentthemas. Die Marktbegeisterung hat sich von einem einfachen "KI-Verkauf" hin zu einem Fokus auf Anwendungen, die messbare Produktivität steigern, abgekühlt. Dieser Übergang spiegelt ein breiteres Vertrauen in die Rolle der KI als struktureller Wachstumstreiber wider, auch wenn spekulative Exzesse nachlassen.
Das Fazit
Simon Whites Analyse unterstreicht, dass die aktuelle Korrektur kein Vorbote eines Bärenmarktes ist. Da Fiskal- und Geldpolitik als doppelte Sicherheitsnetze wirken, bleibt die Liquidität reichlich vorhanden. Für Anleger ist die Botschaft klar: Anstatt in Panik zu verfallen, sollten sie Korrekturen als Gelegenheiten nutzen, um umzuschichten oder Exposure in Sektoren aufzubauen, die von Liquiditätstrends unterstützt werden.