Die Federal Reserve vollzog am Mittwoch die zweite Zinssenkung in Folge und senkte den Leitzins auf eine Spanne von 3,75 % bis 4 %. Doch während die Märkte zunächst jubelten, dämpfte Vorsitzender Jerome Powell rasch die Erwartungen an einen weiteren Schritt im Dezember und warnte, dass eine weitere Senkung „keine ausgemachte Sache“ sei.
Ein gespaltenes Komitee
Die Entscheidung wurde mit 10:2 Stimmen verabschiedet, wobei es von beiden Seiten Gegenstimmen gab. Gouverneur Stephen Miran, ein von Trump ernanntes Mitglied, drängte auf eine größere Senkung um einen halben Prozentpunkt, während Jeffrey Schmid, Präsident der Federal Reserve Bank of Kansas City, sich gegen jegliche Senkung aussprach. Die Spaltung unterstreicht den Balanceakt der Fed: die Geldpolitik zu lockern, um das Wachstum zu stützen, während die Inflation im Zaum gehalten wird.
Die Zinssenkung wirkt sich auch auf die Verbraucherkredite aus und setzt Maßstäbe für Hypotheken, Autokredite und Kreditkarten.
QT wird beendet
Parallel zur Zinsentscheidung kündigte die Fed an, die quantitative Straffung (QT) am 1. Dezember zu beenden. Der Abbau der Bilanzsumme hat die Bestände bereits um etwa 2,3 Billionen US-Dollar reduziert, doch jüngste Spannungen auf den kurzfristigen Kreditmärkten ließen Bedenken aufkommen, dass der Abbau weit genug gegangen sei.
Eine Durchführungsmitteilung besagt, dass die Erlöse aus fällig werdenden hypothekenbesicherten Wertpapieren nun in kurzfristige Schatzwechsel reinvestiert werden, was einen vorsichtigeren Ansatz signalisiert.
Powells Warnung
Bei seiner Pressekonferenz betonte Powell die Uneinigkeit innerhalb des Komitees:
„Eine weitere Senkung des Leitzinses bei der Dezember-Sitzung ist keine ausgemachte Sache. Weit gefehlt.“
Er fügte hinzu, dass eine „wachsende Zahl“ von Fed-Mitgliedern dafür plädiere, mindestens einen Zyklus abzuwarten, bevor erneut gesenkt werde. Die Händler passten ihre Erwartungen rasch an und senkten die Wahrscheinlichkeit einer Dezember-Senkung laut dem FedWatch-Tool der CME auf 67 % gegenüber 90 % am Vortag.
Im Blindflug ohne Daten
Die Sache wird dadurch erschwert, dass die Fed mit begrenzter Transparenz operiert. Da die Datenerhebung der Regierung ausgesetzt ist, stehen den Entscheidungsträgern nur wenige Indikatoren zur Verfügung, wie der Verbraucherpreisindex (VPI) von letzter Woche, der eine Jahresinflationsrate von 3 % zeigte, angetrieben durch Energiekosten und zollbedingte Artikel.
Die Stellungnahme der Fed räumte die Unsicherheit ein und stellte fest, dass die Beschäftigungszuwächse sich verlangsamt haben, die Arbeitslosigkeit leicht gestiegen ist und die Inflation „etwas erhöht“ bleibt. Die Beamten wiesen auch auf steigende Abwärtsrisiken für die Beschäftigung hin.
Marktreaktion
Die Aktienkurse stiegen zunächst aufgrund der Zinssenkung, gaben dann aber nach Powells vorsichtigem Ton nach. Die großen Indizes konnten später einen Teil der Gewinne zurückgewinnen, gestützt durch starke Quartalszahlen der großen Technologieunternehmen. Historisch gesehen tendierten die Märkte dazu, zu steigen, wenn die Fed die Zinsen während einer Expansionsphase senkt, obwohl eine lockerere Geldpolitik auch das Risiko birgt, die Inflation erneut anzufachen.
Ausblick
Die nächste Sitzung der Fed im Dezember steht im Fokus. Da die Inflation immer noch über dem Ziel liegt und der Arbeitsmarkt Anzeichen von Ermüdung zeigt, stehen Powell und seine Kollegen vor einem schwierigen Balanceakt. Das Ende von QT könnte die Finanzierungsbedingungen lockern, doch ob eine weitere Zinssenkung folgt, hängt von den begrenzt verfügbaren Daten ab – und von der Risikotoleranz der Fed.
Für den Moment bleibt den Anlegern eine gemischte Botschaft: Die Geldpolitik wird gelockert, aber nicht im Autopilot-Modus.