Die globalen Märkte sind erneut auf die Zinsentscheidung der Federal Reserve im Dezember fixiert, wobei sich die Anleger uneinig sind, ob die Entscheidungsträger eine weitere Senkung beschließen werden. Frühere Erwartungen einer Lockerung – getrieben von nachlassender Inflation und schwächeren Arbeitsmarktdaten – sind nach einer Reihe von hawkischen Äußerungen von Fed-Offiziellen deutlich abgekühlt. Selbst jüngste taubische Signale haben die Debatte nicht beigelegt, was die Händler in Atem hält.
Liquiditätsdruck nimmt zu
Ein neuer Bericht von Michael Hartnett, Chief Investment Strategist bei Bank of America (BAC-US), argumentiert, dass die sich verschärfende Liquidität bereits mehrere Anlageklassen belastet. Kryptowährungen, Kreditmärkte, der US-Dollar und Private Equity zeigen alle Anzeichen dafür, „Liquiditätshöchststände“ erreicht zu haben.
Hartnett stellt fest, dass die Schwäche bei US-Bankenaktien den Bedingungen vom Dezember 2018 ähnelt, als liquiditätssensible Sektoren die Fed zu einer akkommodierenderen Haltung zwangen. Er warnt, dass ähnliche Druckkräfte die Fed erneut zu einer Lockerung drängen könnten.
Globaler Kontext
Allein in diesem Jahr haben globale Zentralbanken die Zinsen 316 Mal gesenkt, was Spekulationen über alle Anlageklassen hinweg befeuert hat – vom KI-Investitionsboom bis zu heftigen Schwankungen bei japanischen Aktien und Kryptomärkten. Hartnett prognostiziert, dass die Fed bis 2026 einer „politischen Kapitulation“ gegenüberstehen und einen neuen Zinssenkungszyklus einleiten könnte.
Laut Bank of America könnten drei Anlageklassen am meisten profitieren:
- Langfristige Nullkuponanleihen, die von niedrigeren Zinsen und Bewertungsaufschlägen profitieren.
- Bitcoin, der äußerst empfindlich auf Liquiditätsverschiebungen reagiert und oft Rallys vor politischen Interventionen anführt.
- US-Mid-Cap-Aktien, die an die Finanzierungskosten gekoppelt sind und nach einer Lockerung Gewinnwachstum und Aufholrallys verzeichnen könnten.
Japans Schuldenkrise erhöht den Druck
Liquiditätsbedenken sind nicht auf die USA beschränkt. Japans 30-jährige Staatsanleihen sind seit Jahresbeginn um 12% gefallen – ihre schlechteste Performance seit den 1970er Jahren. Der Yen nähert sich 160 pro Dollar, einem 40-Jahres-Tief.
Die Bank of Japan steht vor einem Dilemma: Eine Zinserhöhung riskiert einen Börsencrash, während eine lockere Politik weiterhin die Währung und Anleihen unter Druck setzt. Die Diskrepanz zwischen dem Fiskalstimulus – entsprechend 3% des BIP – und den negativen realen Leitzinsen hat die Risiken verschärft. Das Auflösen von Carry Trades verbreitet nun weltweit Stress und bedroht die Dollar-Liquidität und Risikoanlagen von US-Aktien bis hin zu Kryptowährungen.
Mid-Cap-Divergenz
In den USA verdeutlichen Mid-Cap-Aktien die Diskrepanz zwischen Bewertungen und Performance. Sie werden mit nur 15-fachen Gewinnen gehandelt, haben aber noch nicht von entspannten Handelsbeziehungen und der Rückverlagerung der Produktion profitiert. Hartnett argumentiert, dass dies die verzögerte politische Reaktion der Fed auf die Marktnachfrage widerspiegelt.
Das Fazit
Die Warnung der Bank of America ist klar: Liquiditätssensible Sektoren senden Warnsignale, und die Fed könnte 2026 gezwungen sein, die Zinsen aggressiver zu senken. Wenn das geschieht, könnten Bitcoin, Nullkuponanleihen und Mid-Cap-Aktien die größten Gewinner sein.
Derzeit sehen sich Anleger einem Markt gegenüber, der zwischen hawkischer Fed-Rhetorik und zunehmenden Anzeichen für eine sich verschärfende Liquidität gefangen ist. Wenn die Geschichte ein Indikator ist, könnte eine politische „Kapitulation“ die Tür zu bedeutenden Neubewertungschancen bei Risikoanlagen öffnen.