Nvidia (NVDA-US) legte letzte Woche überragende Quartalszahlen vor, doch die Aktie vollzog eine dramatische Kehrtwende, die Anleger verunsicherte. Die Aktie stieg morgens um mehr als 5 % und schien bereit, die 200-Dollar-Marke zu durchbrechen, bevor sie nachmittags einbrach und mit einem Minus von über 3 % schloss. Die Schwankung an diesem einen Tag löschte fast 392 Milliarden Dollar an Börsenwert aus – das entspricht dem gesamten Wert eines Unternehmens wie ASML oder Costco.
Starke Zahlen, schwaches Vertrauen
Auf dem Papier waren Nvidias Ergebnisse herausragend:
- Gewinn je Aktie (EPS): 1,30 Dollar, über den Schätzungen von 1,26 Dollar.
- Umsatz: 57 Milliarden Dollar, ein Plus von 62 % im Jahresvergleich, über den Prognosen von 54,9 Milliarden Dollar.
- Ausblick: 65 Milliarden Dollar für das laufende Quartal, über dem Konsens von 62,2 Milliarden Dollar.
Noch bemerkenswerter ist, dass Nvidia mitteilte, seine Prognose schließe jeglichen Umsatz aus China aus – ein Zeichen für die Stärke in anderen Regionen trotz der anhaltenden Technologiekonflikte zwischen den USA und China.
Warum also brach die Aktie nach den positiven Nachrichten ein? Analysten verweisen auf Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit. Anleger fragen sich, ob Hyperscaler wie Microsoft, Google und Meta ihren KI-Kapitalausgabenboom aufrechterhalten können. Sobald die GPU-Nachfrage stagniert, woher soll dann das Wachstum kommen?
Große Verkäufer und bärische Stimmen
Der Verkauf war nicht völlig unerwartet. SoftBank und Peter Thiels Fonds hatten bereits vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen ihre Nvidia-Beteiligungen reduziert, was Vorsicht signalisierte. Unterdessen warnte Michael Burry, berühmt für seine Vorhersage der Krise von 2008, vor den Bilanzierungsmethoden. Er argumentierte, Unternehmen könnten die Nutzungsdauer von GPUs überbewerten, was die Abschreibungskosten senke und die Gewinne aufblähe.
Nvidias Finanzvorstand Colette Kress widersprach und wies darauf hin, dass "die Verkäufe der Blackwell-Chips stark sind und die sechs Jahre alten Chips der Kunden immer noch mit voller Kapazität laufen." Die Botschaft: Nvidias Produkte sind langlebig, und die Verlängerung der Abschreibungszeiträume ist angemessen.
Schockwellen in der Branche
Nvidias Absturz wirkte sich auf den gesamten Halbleitersektor aus:
- AMD (AMD-US): minus 7,84 %.
- Broadcom (AVGO-US): minus 2,14 %.
- Philadelphia Semiconductor Index: minus fast 5 %.
- Nasdaq Composite: minus 2,2 %.
Doch inmitten der düsteren Stimmung zeichnete sich eine positive Entwicklung ab. Das US-Handelsministerium genehmigte den Export fortschrittlicher KI-Chips in den Nahen Osten, darunter bis zu 70.000 Einheiten für die G42 der VAE und Humain aus Saudi-Arabien. Das Geschäft im Wert von 2 Milliarden Dollar signalisiert Nvidias Expansion in ölreiche Märkte mit tiefen Kapitalreserven und günstiger Energie.
Wall Street bleibt optimistisch
Trotz der Volatilität bleiben Analysten zuversichtlich. Daten von FactSet zeigen einen durchschnittlichen Kursziel von 248 Dollar, was ein Aufwärtspotenzial von 37 % gegenüber dem Schlusskurs von 180,64 Dollar am Donnerstag impliziert. Firmen wie Melius Research und D.A. Davidson halten an ihren "Kaufen"-Einstufungen fest und argumentieren, dass Hyperscaler noch nicht mit ihren Käufen fertig seien – und die Nachfrage aus dem Nahen Osten neuen Schwung bringen könnte.
Fazit
Nvidias Quartalszahlen unterstreichen die Tiefe des KI-Investitionszyklus, doch die Tage automatischer Kursgewinne nach guten Ergebnissen könnten vorbei sein. Anleger werden nun jeden Kapitalausgabentrend und jede Abschreibungszahl genau prüfen.
Für langfristige Anleger bleiben die Fundamentaldaten stark. Die Volatilität könnte mehr mit der Stimmung als mit strukturellen Schwächen zu tun haben. Beobachten Sie die Auslieferungen der Blackwell-Chips und die Aufträge aus dem Nahen Osten – sie könnten Nvidias nächste Wachstumstreiber sein.