Tesla (TSLA-US) ist in Indien an eine Wand gefahren. Sechs Monate nachdem Elon Musk persönlich den ersten Luxus-Showroom des Unternehmens in Mumbai eröffnete, sind die Verkaufszahlen enttäuschend. Laut Economic Times verkaufte Tesla bis Ende November nur 157 Fahrzeuge, kaum 6,3 % des Ziels von 2.500 Einheiten für 2025. Die schwache Leistung unterstreicht die Herausforderungen beim Eintritt in einen der preissensibelsten Automärkte der Welt.
Preisstrategiefehler und Zollbarrieren
Teslas Model Y, das in Indien mit 67.000 US-Dollar bewertet wird, kostet fast das 12-fache des Pro-Kopf-BIP des Landes. Strafzölle von 70–100 % auf importierte Fahrzeuge haben Teslas Mittelklasse-Elektroauto zu einem Luxusartikel gemacht.
Lokale Analysten argumentieren, dass die Positionierung ungünstig ist. Wie Autocar India-Chefredakteur Hormazd Sorabjee bemerkte, können wohlhabende Käufer für weniger deutsche Elektroautos wie den Mercedes-Benz EQA wählen, während Massenmarktverbraucher zu Tata Motors' Nexon EV tendieren, der bei etwa 18.000 US-Dollar liegt. Für Indiens preisbewusste Käufer hat Teslas technologischer Nimbus wenig Reiz gegenüber etablierten lokalen Marken.
Verpasstes Politikfenster
Teslas Zögern, sich auf lokale Produktion festzulegen, hat ebenfalls geschadet. Anfang dieses Jahres bot die Modi-Regierung an, die Einfuhrzölle auf 15 % zu senken, wenn ausländische Automobilhersteller in inländische Fabriken investieren. Tesla zögerte und entschied sich stattdessen, Fahrzeuge zu vollen Zollsätzen zu importieren.
Wettbewerber nutzten die Gelegenheit. Trotz geopolitischer Spannungen verkauften BYD und andere chinesische Automobilhersteller bis November gemeinsam 60.000 Elektrofahrzeuge in Indien. Sogar Luxuskonkurrenten wie Mercedes, BMW und Audi schafften 4.000 Einheiten. Teslas 157 Verkäufe verblassen dagegen.
Infrastruktur-Herausforderungen
Indiens Ladeinfrastruktur bleibt unterentwickelt. In Neu-Delhi, einer Stadt mit 30 Millionen Einwohnern, gibt es nur 132 öffentliche Ladestationen, was zu langen Warteschlangen und Reichweitenangst führt. Tesla betreibt landesweit nur zwei Supercharger-Stationen, unzureichend für eine bedeutende Marktdurchdringung. In Verbindung mit häufigen Stromausfällen zögern selbst wohlhabende Käufer, sich festzulegen.
Lehren für Investoren
Teslas Rückschlag in Indien bietet eine warnende Geschichte. Während der „Self-Reliant India“-Plan der Regierung eine Elektrofahrzeug-Durchdringung von 30 % bis 2030 anstrebt, liegt die aktuelle Quote bei nur 2,8 %. Lokale Marken wie Tata und Mahindra dominieren und halten 95 % Marktanteil.
Analyst Amit Kaushik vom Centre for Policy Studies merkte an, dass ausländische Automobilhersteller, die nicht bereit sind, die Produktion zu lokalisieren, zwangsläufig kämpfen werden. Für Tesla ist das „teure Import“-Modell gescheitert.
Was kommt als Nächstes für Tesla?
Um erfolgreich zu sein, muss Tesla möglicherweise eine lokale Fabrik bauen und günstigere Einsteigermodelle wie das gerüchteweise Model 2 produzieren, um direkt mit Tata und BYD zu konkurrieren. Ohne eine solche Kurskorrektur könnte Indiens Elektrofahrzeug-Boom Tesla vollständig umgehen, selbst wenn die Regierung angesichts zunehmender Luftverschmutzung die Elektrifizierung vorantreibt.