In einem ungewöhnlichen Schritt hat Cantor Fitzgerald seinen Zielkurs für MicroStrategy (MSTR-US) um fast 60 % gesenkt – von 560 auf 229 US-Dollar –, gleichzeitig aber die Einstufung als „Overweight“ bekräftigt. Diese Entscheidung unterstreicht das ungewöhnliche Vertrauen der Wall Street in das Unternehmen trotz deutlicher Kursverluste bei der Aktie und bei Bitcoin, der digitalen Anlage, auf der seine Strategie basiert.
Zielkurs halbiert, Einstufung unverändert
Die MicroStrategy-Aktie fiel am Freitag (5. Dezember) um 3,77 % auf 178,99 US-Dollar und setzte damit ihren Jahresverlust von 38 % fort. Der Rückgang spiegelt schwächere Bitcoin-Preise und Bedenken hinsichtlich einer möglichen Streichung aus dem MSCI-Index wider. Typischerweise signalisiert ein halbierter Zielkurs Vorsicht, doch Cantor Fitzgerald forderte Anleger auf, Panik zu ignorieren, und bezeichnete seine Haltung als bewussten konträren Schritt.
Barron’s wies darauf hin, dass die MicroStrategy-Aktie seit der Verkaufsempfehlung im vergangenen Dezember um 54 % eingebrochen ist. Dennoch argumentieren Analysten, dass die einzigartige Positionierung des Unternehmens als „digitaler Vermögenswert-Tresor“ weiterhin Optimismus rechtfertigt.
Abhängigkeit von Bitcoin
MicroStrategy hat seine Software-Wurzeln weitgehend aufgegeben und konzentriert sich stattdessen darauf, etwa 60 Milliarden US-Dollar an Bitcoin zu halten. Auf ihrem Höchststand wurde die Aktie mit einem Aufschlag gehandelt, der deutlich über dem Wert ihrer Bestände lag. Da Bitcoin jedoch um 28 % von den Oktober-Hochs gefallen ist, hat sich dieser Aufschlag verringert.
Die Cantor-Analysten Brett Knoblauch und Gareth Garcetta betonten, dass die Zukunft von MicroStrategy direkt an die Entwicklung von Bitcoin geknüpft ist. Sie bleiben optimistisch und betrachten Bitcoin als potenzielles globales Reservevermögen.
Korrektur, nicht Zusammenbruch
Trotz der jüngsten Volatilität sehen Analysten den Rückgang von Bitcoin als eine gesunde Korrektur, nicht als Beginn eines weiteren „Krypto-Winters“. Sie argumentieren, dass nur ein größerer Schock – wie die Zinserhöhungen der Fed im Jahr 2022 – einen anhaltenden Abschwung auslösen könnte.
Befürchtungen, dass MicroStrategy gezwungen sein könnte, Bitcoin zu verkaufen, um Schulden oder Dividenden zu bedienen, scheinen übertrieben. Bei einer nominalen Verschuldung von 8,2 Milliarden US-Dollar sagen Analysten, dass die Bestände des Unternehmens die Verpflichtungen bei weitem überwiegen. Es sei denn, Bitcoin würde um weitere 90 % fallen, sind erzwungene Verkäufe unwahrscheinlich.
Strategische Kaufmuster
Beobachter stellen fest, dass MicroStrategy während des jüngsten Rückgangs keine Bitcoin-Bestände aufgestockt hat. Analysten erklären, dass das Unternehmen nur kauft, wenn die Bedingungen seinen Aktienaufschlag verbessern, was auf Disziplin und nicht auf Schwäche hindeutet.
Die drastische Zielkurskürzung von Cantor spiegelt den schrumpfenden Aufschlag und die schwächeren Bitcoin-Preise wider, doch Analysten bestehen darauf, dass die langfristige These intakt bleibt.
Breitere Stimmung an der Wall Street
MicroStrategy genießt weiterhin starke Unterstützung. Von den 18 von FactSet befragten Institutionen halten 16 eine „Kaufen“-Einstufung oder Äquivalent, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 508,43 US-Dollar. Selbst in einem bärischen Umfeld bleiben ausgesprochen negative Einschätzungen selten.
Das Fazit
Das Schicksal von MicroStrategy ist untrennbar mit Bitcoin verbunden. Während der halbierte Zielkurs von Cantor Fitzgerald die kurzfristigen Gegenwinde widerspiegelt, unterstreicht seine „Overweight“-Einstufung die Überzeugung der Wall Street, dass die langfristige Entwicklung von Bitcoin weiterhin nach oben zeigt. Für Anleger ist die Botschaft klar: Volatilität mag anhalten, doch MicroStrategy wird weiterhin als gehebelte Wette auf digitale Vermögenswerte betrachtet.