Pinterest (PINS-US) legte am Dienstag (4. April) durchwachsene Ergebnisse für das dritte Quartal vor, was die Aktie in einen Sturzflug schickte. Während der Umsatz den Erwartungen der Wall Street entsprach, blieben die Gewinne hinter den Prognosen zurück, und das Management verwies auf anhaltende Schwächen bei den Werbeausgaben. Die Aktie fiel im Nachbörsenhandel um fast 20 %, machte damit die Jahresgewinne zunichte und warf Fragen zum nahtigen Wachstumskurs des Unternehmens auf.
Q3-Ergebnisse: Umsatz erfüllt, Gewinn enttäuscht
Pinterest meldete einen Umsatz von 1,05 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 17 % im Jahresvergleich und damit in Übereinstimmung mit den Konsensschätzungen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) lag bei 0,38 US-Dollar und damit unter den Analystenerwartungen von 0,42 US-Dollar. Der Nettogewinn stieg auf 92,1 Millionen US-Dollar – mehr als das Dreifache gegenüber 30,6 Millionen US-Dollar im Vorjahr – dank Kostendisziplin und Effizienzsteigerungen.
Weitere wichtige Kennzahlen:
- Globale monatlich aktive Nutzer (MAUs): 600 Millionen vs. 590 Millionen erwartet
- Bereinigtes EBITDA: 306 Millionen US-Dollar vs. 295 Millionen US-Dollar erwartet
- Umsatz USA & Kanada: 786 Millionen US-Dollar vs. 799 Millionen US-Dollar erwartet
- Globaler ARPU: 1,78 US-Dollar vs. 1,79 US-Dollar erwartet
Trotz solidem Nutzerwachstum hinkte die Monetarisierung hinterher, insbesondere in Nordamerika, wo zollbedingte Kostendruck die Werbetreibenden belastet.
Management-Kommentar: KI-Fortschritt vs. Werbeschwäche
CEO Bill Ready hob die Fortschritte von Pinterest bei künstlicher Intelligenz und Produktinnovation hervor und wies darauf hin, dass sich die Plattform zu einem KI-gesteuerten Einkaufsassistenten für seine 600 Millionen Nutzer entwickelt habe. Er betonte, dass visuelle Suche und Personalisierung langfristige Wachstumstreiber bleiben.
CFO Julia Donnelly gab sich hingegen zurückhaltender. Sie verwies auf eine Verlangsamung der Werbeausgaben in den USA und Kanada, die mit Zolldruck auf große Einzelhändler zusammenhängt. Nach der Ankündigung neuer Zölle auf Holz, Baumstämme, Küchenschränke und Möbelimporte im September kürzen insbesondere Möbelhändler ihre Marketingbudgets. Donnelly warnte, dass diese Gegenwinde voraussichtlich bis ins vierte Quartal anhalten werden.
Pinterest prognostizierte für Q4 einen Umsatz von 1,31 bis 1,34 Milliarden US-Dollar, leicht unter der Konsensschätzung von 1,34 Milliarden US-Dollar.
Wettbewerbsumfeld: Rückstand gegenüber Mitbewerbern
Die Schwierigkeiten von Pinterest stehen in krassem Gegensatz zu den robusten digitalen Werbeergebnissen größerer Konkurrenten:
- Meta (META-US): Q3-Umsatz stieg um 26 % auf 51,24 Milliarden US-Dollar, das schnellste Wachstum seit Anfang 2024.
- Alphabet (GOOGL-US): Werbeeinnahmen stiegen um 13 % auf 74,18 Milliarden US-Dollar, YouTube legte um 15 % zu.
- Amazon (AMZN-US): Online-Werbeeinnahmen sprangen um 24 % auf 17,7 Milliarden US-Dollar und übertrafen damit das AWS-Wachstum.
Unterdessen verzeichnete Reddit (RDDT-US) einen Umsatzanstieg von 68 % auf 585 Millionen US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen, während Snap (SNAP-US) als nächstes berichten wird – Investoren beobachten dabei den Schwung seiner Kurzvideo-Werbung.
Fazit
Pinterest befindet sich in einer schwierigen Lage: Das Nutzerwachstum ist stark, aber die Werbemonetarisierung steht unter Druck. Zölle belasten die Einzelhändler, dämpfen die Werbebudgets und lassen Pinterest verwundbar zurück, während die Konkurrenz Rekordergebnisse meldet.
Während das Management auf KI-Innovationen als langfristigen Differenzierungsfaktor verweist, konzentrieren sich die Investoren auf die nahtige Realität: Verlangsamende Werbeumsätze in Kernmärkten. Nach einem Kursrutsch von fast 20 % nach Börsenschluss steht Pinterest vor einer Glaubwürdigkeitsprobe, um zu beweisen, dass es Zoll-Gegenwinde überstehen und im überfüllten Rennen um digitale Werbung mithalten kann.