Die Anlegerstimmung hat nach der Dezember-Umfrage unter globalen Fondsmanagern der Bank of America ihren stärksten Stand seit fast vier Jahren erreicht. Die Ergebnisse zeigen einen Markt, der zunehmend auf ein Szenario einer "sanften Landung" für die US-Wirtschaft vertraut, wobei die Cash-Allokationen auf Rekordtiefs sinken und die Aktienexposition auf Mehrjahreshochs steigt.
Eine optimistische Wendung der Stimmung
Der Bank-of-America-Strategist Michael Hartnett beschrieb die Umfrage als "die optimistischste in den letzten dreieinhalb Jahren". Der makroökonomische Optimismus ist nun auf dem höchsten Stand seit August 2021, angetrieben von der Erwartung, dass die politischen Entscheidungsträger der Wirtschaft erlauben werden, "heiß zu laufen".
Die Umfrage zeigt, dass die Allokationen in Aktien und Rohstoffe auf ihren höchsten Stand seit Februar 2022 steigen, während die Cash-Positionen auf nur noch 3,3 % fielen, nach zuvor 3,7 %. Dieser Rückgang der Cash-Bestände spiegelt die Bereitschaft der Anleger wider, Risikoaktiva angesichts verbesserter Wachstumserwartungen zu übernehmen.
Bull- & Bear-Indikator nähert sich Verkaufssignal
Hartnett warnte, dass die Umfrage den Bull- & Bear-Indikator der Bank of America auf 7,9 trieb, ein Wert, der "sehr nahe an einem Verkaufssignal" liege. Er warnte, dass überfüllte Long-Positionen nach wie vor das größte Hindernis für Risikoaktiva seien, was darauf hindeutet, dass hoher Optimismus die Volatilität verstärken könnte, sollte sich die Stimmung ändern.
Gewinnerwartungen treiben das Vertrauen
Gewinnerwartungen sind ein wesentlicher Treiber der optimistischen Aussichten. Die Bank of America stellte fest, dass die Erwartungen auf dem höchsten Stand seit August 2021 sind. Laut der Umfrage:
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57 % der Befragten erwarten eine sanfte Landung.
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37 % erwarten ein "No-Landing"-Szenario, bei dem das Wachstum widerstandsfähig bleibt, ohne sich abzuschwächen.
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Nur 3 % rechnen mit einer harten Landung, der niedrigste jemals gemessene Wert.
Diese Verteilung unterstreicht einen breiten Konsens, dass die Wirtschaft eine Rezession vermeiden wird, selbst wenn die Inflation über dem Zielwert bleibt.
Liquiditätsbedingungen und politische Aussichten
In Bezug auf die Politik werden die Liquiditätsbedingungen als drittbeste in den letzten 17 Jahren bewertet, was unterstützende geld- und fiskalpolitische Dynamiken widerspiegelt. Die meisten Anleger erwarten jedoch weiterhin steigende Anleiherenditen und setzen damit einen seit April 2022 beobachteten Trend fort.
Die Umfrage ergab auch, dass 69 % der Anleger erwarten, dass Kevin Hassett der nächste Vorsitzende der Federal Reserve wird, was die politische Dimension der geldpolitischen Erwartungen im Vorfeld des Jahres 2026 unterstreicht.
Risiken: Überfüllte Trades und KI-Blase
Trotz des Optimismus nehmen die Risiken zu. Die Bank of America hob die Gefahr überfüllter Trades hervor, wobei Long-Positionen in den "Big Seven"-Technologieaktien (54 %) und Gold (29 %) die Portfolios dominieren.
Die Umfrage identifizierte eine "Künstliche-Intelligenz-Blase" (37 %) als das größte Tail-Risk, was Bedenken widerspiegelt, dass die Bewertungen von KI-bezogenen Aktien möglicherweise zu weit, zu schnell gestiegen sind. Zu den weiteren potenziellen Risiken gehören Privatkredite und Kapitalausgaben von Hyperscalern, die bei einer Verschärfung der Bedingungen Kreditereignisse auslösen könnten.
Asset-Allokationstrends
Aus allokationstechnischer Sicht sind Anleger:
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Seit Dezember 2024 am stärksten übergewichtet in Aktien.
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Seit Oktober 2022 am stärksten untergewichtet in Anleihen.
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Seit September 2022 am stärksten übergewichtet in Rohstoffen.
Diese Positionierung spiegelt das Vertrauen in Wachstum und Inflationsresistenz wider, macht Portfolios aber auch anfällig für Schocks, falls sich der Optimismus als unbegründet erweist.
Konsens über sanfte Landung
Die weit verbreitete Erwartung einer sanften Landung ist zentral für die aktuelle Stimmung. Anleger glauben, dass politische Entscheidungsträger die Inflationskontrolle mit Wachstumsunterstützung in Einklang bringen und die scharfen Abschwünge vermeiden werden, die typischerweise auf aggressive Straffungszyklen folgen.
Doch Hartnetts Warnung bezüglich des Bull- & Bear-Indikators mahnt zur Vorsicht. Historisch gingen extrem optimistische Werte Marktrücksetzern voraus, da überfüllte Positionierungen wenig Spielraum für positive Überraschungen lassen.
Implikationen für 2026
In die Zukunft blickend deutet die Umfrage darauf hin, dass Anleger mit anhaltender Stärke bei Aktien und Rohstoffen rechnen, gestützt von widerstandsfähigen Gewinnen und günstiger Liquidität. Risiken im Zusammenhang mit überfüllten Trades, steigenden Anleiherenditen und potenziellen Blasen bei KI-bezogenen Vermögenswerten könnten den Konsens jedoch herausfordern.
Für politische Entscheidungsträger unterstreicht die Umfrage die Bedeutung des Erwartungsmanagements. Sollte sich die Inflation als hartnäckig erweisen oder das Wachstum nachlassen, könnte das Narrativ der sanften Landung schnell zusammenbrechen und eine Neubewertung von Risikoaktiva erzwingen.
Fazit: Optimismus mit Vorbehalten
Die Dezember-Umfrage der Bank of America zeichnet das Bild von Anlegern, die seit Jahren am optimistischsten sind und stark auf eine sanfte Landung und reduzierte Inflationsrisiken setzen. Die Allokationen in Aktien und Rohstoffe schießen in die Höhe, Cash ist auf Rekordtiefs und die Gewinnerwartungen sind robust.
Aber da der Bull- & Bear-Indikator nahezu Verkaufssignale anzeigt und überfüllte Trades die Portfolios dominieren, könnte der Markt anfällig für plötzliche Wendungen sein. Für Anleger ist die Botschaft klar: Der Optimismus ist hoch, aber Vorsicht bleibt geboten.