Der US-Aktienmarkt wurde von einem plötzlichen Einbruch bei KI-bezogenen Aktien erschüttert, ausgelöst durch unerwartete Infrastrukturverzögerungen. Ein heftiger Sturm in Texas verursachte einen 60-tägigen Bauverzug im riesigen Rechenzentrum von CoreWeave in Denton, wodurch die Installation von etwa 260 Megawatt Rechenleistung verzögert wurde. Die Störung verhinderte die rechtzeitige Auslieferung von an OpenAI vermieteten Clustern und löste Panikverkäufe in der gesamten Branche aus.
Der Absturz von CoreWeave
Die Aktien von CoreWeave (CRWV-US) sind zum Sinnbild für Volatilität geworden. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens schrumpfte in sechs Wochen um 33 Milliarden US-Dollar, ein Rückgang von über 60 %. Obwohl sich der Quartalsumsatz auf fast 1,4 Milliarden US-Dollar verdoppelte, verzeichnete CoreWeave dennoch einen Nettoverlust von 110 Millionen US-Dollar und eine operative Marge von nur 4 % – unzureichend, um die hohen Zinsaufwendungen zu decken.
Analysten argumentieren, dass das Geschäftsmodell des Unternehmens, das auf der Vermietung von in Rechenzentren untergebrachten KI-Chips basiert, anfällig für Bauverzögerungen und Schuldendruck ist. Das Anlegervertrauen wurde weiter durch widersprüchliche Aussagen des Managements erschüttert. Während Führungskräfte zunächst behaupteten, die Verzögerungen seien "kontrollierbar", räumten spätere Offenlegungen Risiken für die Liefertermine ein, was Bedenken hinsichtlich Transparenz und operativer Stabilität aufkommen ließ.
Dominoeffekt bei KI-Aktien
Die Auswirkungen gingen über CoreWeave hinaus. Die Schwergewichte Broadcom (AVGO-US) und Oracle (ORCL-US) verzeichneten einen Kurssturz von mehr als 17 % über drei Handelstage, wodurch über 300 Milliarden US-Dollar an Marktwert vernichtet wurden. Die Rückgänge verdeutlichen die allgemeine Anlegerunsicherheit hinsichtlich überbewerteter KI-Unternehmen und des Risikos verzögerter Investitionsausgaben entlang der Lieferkette.
Marktbeobachter stellen fest, dass die Begeisterung für KI-Infrastruktur bereits in die Bewertungen eingepreist war. Da sich nun Lieferverzögerungen abzeichnen, verstärkt die Liquiditätssensibilität die Korrekturen und verlagert die Stimmung von Überschwang zu Vorsicht.
Fundamentaldaten unter der Lupe
Die Verkaufswelle unterstreicht eine breitere Neuausrichtung des Anlegerfokus. Anstatt Wachstumsgeschichten nachzujagen, prüfen die Märkte zunehmend Fundamentaldaten und Rentabilität. Die fragile Bilanz von CoreWeave, gepaart mit der Abhängigkeit von Fremdfinanzierung, ist zu einer Warnung für die Branche geworden.
Beobachter warnen, dass, wenn die KI-Hardware-Infrastruktur nicht so schnell wie erwartet bereitgestellt werden kann, der Kapitalzyklus und das Gewinnmodell der Branche erheblichen Herausforderungen gegenüberstehen könnten. Diese Verschiebung hat bereits auf die allgemeine Technologiestimmung übergegriffen, wobei die Volatilität auf US-Technologieaktien insgesamt übergreift.
Ausblick
Für Anleger ist die Botschaft klar: Der KI-Boom ist nicht immun gegen reale Risiken. Infrastrukturverzögerungen, Schuldenlasten und Transparenzprobleme können das Vertrauen schnell untergraben. Auch wenn die langfristige Nachfrage nach KI-Rechenleistung stark bleibt, deutet die jüngste Verkaufswelle darauf hin, dass die Bewertungen möglicherweise vor der nächsten Wachstumsphase angepasst werden müssen.