Seit Monaten kursieren Gespräche über eine KI-Blase. Sogar OpenAI-CEO Sam Altman, eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Branche, hat angedeutet, dass Bewertungen und Erwartungen der Realität vorauseilen könnten. Auf dem Papier sind die Anzeichen da: explodierende Aktienkurse, üppige Ausgaben und kühne Versprechen über die transformative Kraft der KI. Doch im Gegensatz zu früheren Blasen ist diese im Alltag nicht spürbar.
Wie sich frühere Blasen anders anfühlten
Die Dotcom-Blase der späten 1990er Jahre war unübersehbar. Startups mit kaum mehr als einer Website veranstalteten Partys, kauften Super-Bowl-Werbung und zogen Kleinanleger an, die dachten, Internetaktien seien ein Ticket zu schnellem Geld. Bis 2001 besaßen mehr als die Hälfte der US-Haushalte Aktien, viele über Online-Broker wie E-Trade und Ameritrade.
Die Immobilienblase der Mitte der 2000er Jahre war ebenso sichtbar. Variabel verzinsliche Hypotheken und Haus-Flipping-Geschichten dominierten Alltagsgespräche. Bis 2004 besaßen fast 70 % der amerikanischen Haushalte Eigenheime, und Subprime-Kredite waren weit verbreitet.
In jüngerer Zeit brachte der Krypto-Boom während der Pandemie eine weitere Hype-Welle. Coins wie Dogecoin und Solana wurden als der "nächste Bitcoin" angepriesen, und Krypto-Werbung füllte den Super Bowl. Bis 2021 hatte jeder sechste amerikanische Erwachsene Kryptowährung gekauft, wobei die Beteiligung unter jüngeren Männern sogar noch höher war.
Diese Blasen waren nicht nur finanziell – sie waren kulturell. Man musste kein Investor sein, um ihre Präsenz zu spüren.
Warum sich KI anders anfühlt
Künstliche Intelligenz ist zweifellos ein heißes Thema, aber ihre Reichweite ist begrenzter. Wenn man nicht in der Tech-Branche arbeitet oder diese genau verfolgt, wird man kaum erleben, dass KI-Spekulationen Gespräche am Esstisch dominieren. Die Unternehmen, die den KI-Boom vorantreiben – Nvidia (NVDA), Microsoft (MSFT) und eine Handvoll weiterer Mega-Cap-Tech-Firmen – sind bereits riesig. Ihre Dominanz bedeutet, dass der Großteil des Geldes, das in KI fließt, in Unternehmensgewinnberichten und institutionellen Portfolios konzentriert ist, nicht in den Händen von Kleinanlegern.
Ja, normale Amerikaner sind durch Indexfonds und Altersvorsorgekonten KI ausgesetzt, da allein sieben Tech-Aktien den Großteil der Gewinne des S&P 500 in diesem Jahr erzielt haben. Aber das ist weit entfernt von der spekulativen Euphorie des Kaufs von Dotcom-Penny-Aktien oder Haus-Flippings.
Eine Vorstandsetagen-Blase, keine Hinterhof-Blase
Die Merkmale einer Blase sind vorhanden: üppige Ausgaben, aggressive Fusionen und Übernahmen sowie hochtrabende Narrative darüber, wie KI Billionen-Dollar-Industrien umgestaltet. Bisher scheint das Phänomen jedoch auf Vorstandsetagen und Bilanzen beschränkt zu sein, nicht auf Privathaushalte.
Dieser Unterschied ist wichtig. Wenn die KI-Blase platzt, könnten die Auswirkungen eher durch Unternehmensgewinne, Aktienindizes und institutionelle Portfolios spürbar sein als durch die Art von persönlichen finanziellen Verlusten, wie sie in früheren Blasen zu beobachten waren.
Das Fazit
KI könnte sich durchaus in Blasen-Territorium befinden, aber es fühlt sich nicht wie die Dotcom-, Immobilien- oder Krypto-Manien an, weil es noch nicht in das alltägliche Finanzverhalten eingesickert ist. Derzeit ist der KI-Boom eine Geschichte von Mega-Cap-Tech-Dominanz und Unternehmensinvestitionszyklen. Die eigentliche Frage ist, ob normale Menschen es spüren würden, wenn die Blase platzt – oder ob es eine Korrektur bleibt, die weitgehend auf Wall Street und Silicon Valley beschränkt ist.