Wird der KI-Boom zur Blase? An der Wall Street beginnt man, diese Frage mit Sorge zu stellen – und das aus gutem Grund. Die Branche verbrennt Geld mit einer Geschwindigkeit, die fast zehnmal höher liegt als die Umsätze, und der Wettlauf um Rechenleistung gleicht weniger einem Marathon als vielmehr einem Demolition Derby.
Die 1,5-Billionen-Dollar-Frage
Laut Gartner werden die globalen KI-Ausgaben 2025 die Marke von 1,5 Billionen Dollar übertreffen, wobei die USA und China fast 70 % des Kuchens für sich beanspruchen. Allein die USA sind für mehr als 55 % verantwortlich, dank ihrer Tech-Giganten und der tiefen Bank an Ingenieuren.
Doch hier kommt der Knackpunkt: Der Wettlauf dreht sich nicht mehr darum, wer den besten Algorithmus hat – es geht darum, wer die meisten Nvidia-GPUs horten kann. In den letzten zwei Jahren lautete die Eintrittskarte zur KI-Party im Wesentlichen: „Wie viele 60.000-Dollar-Nvidia-Chips kannst du ergattern?“
OpenAIs Mega-Deals
Niemand verkörpert diesen Rausch mehr als OpenAI. Das Unternehmen hat einige atemberaubende Deals abgeschlossen:
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Einen 300-Milliarden-Dollar-Fünfjahresvertrag mit Oracle für 4,5 GW Cloud-Leistung.
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Einen 100-Milliarden-Dollar-Zehnjahresdeal mit Nvidia für den Einsatz von 10 GW Rechenkraft.
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Ein Nebenprojekt mit AMD, bei dem sich OpenAI verpflichtet, 6 GW Instinct-Chips zu kaufen – plus 160 Millionen Optionsscheine zu je einem Cent.
Und gerade als man dachte, es könnte nicht verrückter werden, kündigte OpenAI eine Partnerschaft mit Broadcom an, um maßgeschneiderte KI-Chips (ASICs) zu entwickeln. Das Ziel? Bis 2029 ein 10-GW-Chipsystem im eigenen Haus aufbauen und vom „Käufer“ zum „Definierer“ wechseln.
Blasen-Gefahr?
Hier setzt die Blasen-Diskussion ein. OpenAIs Server-Mietkosten werden voraussichtlich in diesem Jahr 16 Milliarden Dollar erreichen und könnten bis 2029 auf 400 Milliarden Dollar anschwellen. Die Umsätze? Vergleichsweise bescheidene 13 Milliarden Dollar. Diese Rechnung schreit nicht gerade nach „Nachhaltigkeit“.
Kritiker verweisen auch auf „kreisförmige Finanzierung“ – bei der Zulieferer wie Nvidia und AMD in KI-Firmen investieren, nur um zu sehen, wie dieses Geld wieder in Chipkäufe fließt. Morgan Stanley warnt, dass sich diese Struktur über die Branche ausbreitet und rote Flaggen bezüglich der langfristigen Stabilität aufwirft.
Cloud-Giganten unter Druck
Es sind nicht nur Startups. Oracle, das sich als Cloud-Schwergewicht neu erfunden hat, plant, bis 2026 35 Milliarden Dollar in Rechenzentren zu investieren. Doch die Margen stehen bereits unter Druck, da das Cloud-Geschäft aufgrund der hohen Kosten für den Einsatz von Nvidia-Chips die Gewinnerwartungen verfehlt hat. Investoren haben es registriert – die Oracle-Aktie fiel um 7 % nach dieser Nachricht.
Sogar Elon Musks xAI spielt das gleiche Spiel, finanziert und least Milliarden an Chips, wobei Nvidia erneut im Mittelpunkt steht.
Das Fazit
Ist dies also eine KI-Blase? Die Ausgaben sind exorbitant, die Finanzierungsstrukturen lassen die Augenbrauen hochziehen, und die Umsatzlücke ist eklatant. Doch anders als bei der Dotcom- oder Krypto-Manie fühlt sich diese eher wie eine Vorstands-Blase an als eine Hinterhof-Blase. Normale Leute handeln nicht mit GPUs auf eBay; es sind die Tech-Titanen, die im Namen der Dominanz Geld verbrennen.
Wenn die Blase platzt, könnten Cloud-Anbieter, Chip-Hersteller und Mega-Cap-Tech-Aktien am härtesten getroffen werden. Doch vorerst rollt der KI-Wettlauf weiter – denn in diesem Spiel ist es schlimmer, die Rechenleistung zu verlieren, als das Geld.