Amazon (AMZN-US) stieg am Montag (3. November) auf ein Rekordhoch, nachdem seine Cloud-Sparte AWS einen spektakulären Rechenleistungsvertrag mit OpenAI im Wert von 38 Milliarden US-Dollar bekannt gab. Der Deal, einer der größten seiner Art, unterstreicht sowohl das Ausmaß des KI-Booms als auch den verschärften Wettbewerb unter Cloud-Anbietern.
Die Amazon-Aktie stieg im Pre-Market-Handel um bis zu 5 % und schloss schließlich 4 % höher bei 254 US-Dollar je Aktie. Zusammen mit dem Kursanstieg am Freitag hat das Unternehmen innerhalb von zwei Handelstagen 14 % zugelegt – die beste Zweitages-Performance in diesem Jahr.
Details zum Deal
Laut Vereinbarung wird OpenAI sofort umfangreiche KI-Workloads auf der AWS-Infrastruktur bereitstellen und dabei auf Hunderttausende NVIDIA (NVDA-US) GPUs zugreifen. In späteren Phasen muss Amazon seinen Rechenzentrumsbestand ausbauen, um die wachsende Nachfrage von OpenAI zu decken.
Dave Brown, AWS-Manager, fügte hinzu, dass zwar die derzeitige Einrichtung stark auf NVIDIA-Chips setzt, Amazons hauseigene Trainium-Prozessoren jedoch später integriert werden könnten, um AWS mehr Kontrolle über Kosten und Leistung zu geben.
Strategische Bedeutung
Der Deal ist nicht nur wegen seines Umfangs bemerkenswert, sondern auch wegen seiner strategischen Positionierung. Amazon hat bereits Milliarden in Anthropic, ein weiteres führendes KI-Startup, investiert und baut einen 11-Milliarden-Dollar-Rechenzentrumscampus in Indiana, der auf die Bedürfnisse von Anthropic zugeschnitten ist.
Durch die Gewinnung von OpenAI als Kunden stärkt AWS seine Rolle als zentraler Akteur im Wettlauf um KI-Infrastruktur, auch wenn OpenAI weiterhin eng mit Microsoft Azure und Google Cloud zusammenarbeitet.
Matt Garman, CEO von AWS, sagte, die Vereinbarung unterstreiche Amazons Fähigkeit, „optimierte Rechenressourcen in großem Maßstab“ bereitzustellen, und stärke so seinen Wettbewerbsvorteil bei der Unterstützung von KI-Workloads der nächsten Generation.
Marktkontext
AWS bleibt Amazons Profitmotor, mit einem Umsatzwachstum im dritten Quartal von 20 % im Jahresvergleich, was die Erwartungen der Analysten übertraf. Dennoch liegt das Wachstum hinter dem der Konkurrenz: Microsoft Azure wuchs im letzten Quartal um 40 %, während Google Cloud um 34 % expandierte.
Der OpenAI-Deal könnte AWS helfen, diese Lücke zu schließen, wirft aber auch Fragen auf, ob der KI-Ausgabenrausch nachhaltig ist.
Blasen-Bedenken
OpenAI hat fast 1,4 Billionen US-Dollar an Vereinbarungen mit Partnern wie Nvidia, Broadcom (AVGO-US), Oracle (ORCL-US) und Google unterzeichnet. Das enorme Ausmaß hat eine Debatte darüber ausgelöst, ob die USA über die Energiekapazitäten und Ressourcen verfügen, um solche Ambitionen zu unterstützen.
Einige Analysten warnen, dass der Sektor eine Korrektur erleben könnte, wenn die Investitionen in KI-Infrastruktur die realen Erträge übersteigen. Derzeit ist die Anlegerbegeisterung jedoch weiterhin groß.
Die Rolle von Microsoft
Der Deal signalisiert auch eine Verschiebung in der Cloud-Strategie von OpenAI. Seit 2019 war Microsoft (MSFT-US) der exklusive Cloud-Anbieter des Unternehmens und investierte 13 Milliarden US-Dollar in OpenAI. Diese Exklusivität lief jedoch letzte Woche aus, was die Tür für Partnerschaften mit AWS und anderen öffnete.
Trotzdem hat OpenAI Microsoft nicht aufgegeben – das Unternehmen verpflichtete sich kürzlich zum Kauf zusätzlicher Azure-Dienste im Wert von 250 Milliarden US-Dollar, was seinen Multi-Cloud-Ansatz unterstreicht.
Fazit
Der Rekordanstieg von Amazon zeigt, wie viel Gewicht Anleger auf KI-Infrastrukturdeals legen. Der 38-Milliarden-Dollar-Deal mit OpenAI zementiert die Rolle von AWS im KI-Wettlauf, auch wenn Fragen zur Nachhaltigkeit und Ressourcenknappheit bleiben.
Derzeit setzt die Wall Street darauf, dass Amazons Cloud-Dominanz – und seine Fähigkeit, namhafte Kunden zu gewinnen – weiterhin Wachstum antreiben wird.