Globale Technologieaktien wurden diese Woche durchgeschüttelt, wobei KI-bezogene Aktien den Rückgang anführten. Der Verkauf hat die Debatte darüber neu entfacht, ob der KI-Boom sich in eine Blase verwandelt. Dennoch argumentieren viele Analysten, dass die Korrektur eher wie eine kurzfristige Anpassung aussieht als der Beginn eines breiteren Zusammenbruchs.
Asien und Wall Street unter Druck
Asiatische Märkte trugen zu Wochenbeginn die Hauptlast der Verkäufe. Leitindizes in Südkorea und Japan fielen um etwa 5% von den Höchstständen am Dienstag, bevor sie die Verluste bis zum Handelsschluss etwas begrenzten. In den USA fiel der Nasdaq Composite Index am Dienstag um 2%, schaffte aber am Mittwoch einen bescheidenen Aufschwung von 0,4%.
Am stärksten betroffen waren KI-Konzeptaktien, insbesondere Chiphersteller, die Nvidias (NVDA-US) Aufstieg an die Spitze der globalen Marktkapitalisierungs-Rangliste befeuert haben. Nvidia-Aktien fielen am Dienstag um fast 4% und gaben damit etwa 7% vom Höchststand des letzten Monats nach. Auch Zulieferer in ganz Asien sahen sich starken Verkäufen ausgesetzt.
Palantir-Quartalszahlen lösen Dominoeffekt aus
Die Stimmung der Anleger verschlechterte sich weiter, nachdem Palantir (PLTR-US) Quartalszahlen veröffentlicht hatte, die den Markt enttäuschten. Die Aktie schloss am Dienstag mit einem Minus von fast 8% und verlor am Mittwoch im Tagesverlauf weitere 3,5%. Die Reaktion löste einen Dominoeffekt bei KI-bezogenen Titeln aus und verstärkte die Bedenken hinsichtlich überhöhter Bewertungen.
Jon Withaar von Pictet Asset Management sagte, der Rückzug sehe nach Gewinnmitnahmen aus: "Die zuletzt besten Aktien wurden am härtesten getroffen; es sieht aus, als treibe Portfolioumschichtung die Verkäufe."
Konsolidierung und Sektorrotation
Einige Strategen sehen die Korrektur als natürliche Pause. Herald van der Linde, Leiter der Aktienstrategie Asien-Pazifik bei HSBC, merkte an, dass Anleger "fast ihr gesamtes Geld in KI-Aktien gesteckt haben" und schlug vor, der Markt könne nun in eine Konsolidierungsphase eintreten, möglicherweise begleitet von Sektorrotation.
Angus McGeoch von Barrenjoey fügte hinzu, dass institutionelle Anleger ihre Positionen schnell anpassen, um die Performance vor Jahresende zu sichern, er aber keine Anzeichen für einen vollständigen Rückzug sehe. "Sobald der Markt wieder Aufwärtsschwung gewinnt, werden sie schnell zurück sein", sagte er.
Starke Gewinne, hohe Erwartungen
Trotz der Volatilität bleiben die Fundamentaldaten solide. Laut LSEG-Daten haben mehr als 83% der S&P 500-Unternehmen, die Q3-Zahlen veröffentlichten, die Erwartungen übertroffen. Tech-Giganten investieren weiterhin stark in KI, was die langfristigen Aussichten stützt, aber auch Bedenken hinsichtlich zyklischer Ausgaben und Gewinnsichtbarkeit aufwirft.
Seth Hickle von Mindset Wealth Management fasste es zusammen: "Es ist nicht so, dass sich die Performance verschlechtert hat, es ist nur so, dass nicht jede Kennzahl vollständig erfüllt wurde, und in der aktuellen Marktumgebung haben Anleger höhere Erwartungen."
Das Fazit
Während Nvidia, Palantir und andere KI-Führer unter Druck stehen, bewerten Anleger die Bewertungen neu. Dennoch bezeichnen die meisten Analysten den Rückgang als gesunde Korrektur nach einer überhitzten Rallye, nicht als Vorboten eines Zusammenbruchs.
Wie Morgan Stanleys Ted Pick und Goldman Sachs' David Solomon in Hongkong warnten, sind Überhitzungsrisiken real. Andere, wie Matthew Haupt von Wilson Asset Management, sehen jedoch Chancen: "Ich habe heute welche gekauft und hoffe, dass ich richtig lag."
Derzeit ist der Konsens klar – KI-Aktien mögen sich abkühlen, aber die langfristige Geschichte bleibt intakt.