Tesla (TSLA)-Aktien stiegen am Montag um 4,3% auf 452,42 US-Dollar, nachdem Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas eine mutige Einschätzung abgab und erklärte, das Unternehmen habe das autonome Fahren effektiv "gelöst". Jonas präzisierte, dass "gelöst" nicht Perfektion bedeute, argumentierte aber, es sei ausreichend, um Sicherheitsfahrer in Großstädten abzuziehen – ein Meilenstein, der die Automobilindustrie verändern könnte.
Teslas Vorstoß beim autonomen Fahren
Tesla testet seit Juni seinen Fahrdienst in Austin, Texas mit Elektrofahrzeugen, die mit seiner autonomen Software ausgestattet sind. Derzeit sitzt noch ein Tesla-Mitarbeiter für Notfälle mit im Auto, aber das Unternehmen erwartet, die Sicherheitsfahrer in Austin bis Jahresende abzuziehen. Elon Musk deutete an, dass mit der Skalierung des Dienstes die Mitarbeiterüberwachung auf nur wenige Monate schrumpfen könnte.
"Wir könnten bereits jetzt Autos frei in diesen Städten fahren lassen, aber wir wollen dieses Risiko nicht eingehen", sagte Musk und beschrieb Teslas Ansatz als "sicherheitsparanoid". Jonas stimmte zu und merkte an, dass Teslas Vorsicht – nicht technische Einschränkungen – der Hauptgrund für die verbleibenden Sicherheitsfahrer sei.
Expansionspläne und Robotaxis
Bei Teslas jüngstem Quartalsgespräch enthüllte Musk Pläne, den Dienst bis Ende 2025 auf bis zu 10 große US-Metropolregionen auszuweiten, darunter Nevada, Florida und Arizona. Das Unternehmen erwartet auch, nächstes Jahr mit der Serienproduktion spezieller Robotaxis zu beginnen, ein Schritt, der die Verbreitung beschleunigen und traditionelle Fahrdienstmodelle herausfordern könnte.
Bei Erfolg würde Tesla das Sicherheitsparadigma der Branche "ernsthaft in Frage stellen", so Jonas. Die meisten Unternehmen für autonomes Fahren verlassen sich auf teure Sensorsuiten – eine Kombination aus Kameras, Radar und Lidar – um ihre Umgebung zu kartieren. Tesla setzt dagegen auf einen rein kamerabasierten Ansatz und wettet darauf, dass Software und KI die Hauptarbeit leisten können.
Tesla vs. Waymo und Rivian
Teslas Strategie steht im krassen Gegensatz zu Konkurrenten wie Waymo, der autonomen Tochter von Alphabet, die ihre Fahrzeuge der sechsten Generation mit 13 Kameras, vier Lidar-Sensoren, sechs Radarsensoren und einem externen Audioempfänger ausstattet. Auch Rivian Automotive verwendet einen Multi-Sensor-Ansatz mit 10 Kameras, 12 Ultraschallsensoren und fünf Radarsensoren.
Musk hat Lidar lange als unnötig abgetan. Bereits 2019 nannte er es "teuer und nutzlos" und argumentierte, dass das Hinzufügen von Lidar zu Autos wie "das Anbringen von teurer, nutzloser Hardware am Fahrzeug" sei. Tesla-Fahrzeuge verwenden je nach Modelljahr heute bis zu neun Kameras.
Marktauswirkungen
Die Tesla-Aktie ist seit Jahresbeginn um 19% gestiegen, und Jonas' Unterstützung befeuert den Aufwärtstrend weiter. Investoren setzen darauf, dass Tesla mit der Skalierung autonomer Dienste und der Einführung von Robotaxis eine massive neue Einnahmequelle erschließen könnte – die weit über den reinen Autoverkauf hinausgeht.
Dennoch bleiben Fragen offen. Regulierungsbehörden müssen dem Abzug der Sicherheitsfahrer zustimmen, und das Unternehmen muss beweisen, dass sein rein kamerabasiertes System reale Komplexität im großen Maßstab bewältigen kann. Aber vorerst scheint die Wall Street bereit zu sein, Musk den Vertrauensvorschuss zu gewähren.
Fazit
Teslas jüngster Kursanstieg zeigt, wie viel Gewicht der Markt seinen Ambitionen beim autonomen Fahren beimisst. Während Morgan Stanley das Problem als "gelöst" bezeichnet und Musk Robotaxis für nächstes Jahr verspricht, könnten die Einsätze kaum höher sein. Wenn Tesla liefert, wird es nicht nur ein weiteres Autounternehmen sein – es könnte urbane Mobilität neu definieren.