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Market Trends

Urteil des Obersten Gerichtshofs zu Zöllen könnte den Anleihemarkt erschüttern

Urteil des Obersten Gerichtshofs zu Zöllen könnte Rückerstattungen von 140 Mrd. USD auslösen, Renditen von US-Staatsanleihen beeinflussen und die Märkte für 2026 verunsichern.

Marcus Thorne
Marcus Thorne
Chief Market Strategist
Urteil des Obersten Gerichtshofs zu Zöllen könnte den Anleihemarkt erschüttern

Während sich die Wall Street auf die letzte Zinsentscheidung der Federal Reserve für 2025 konzentriert, zieht in Washington ein weiterer Sturm auf – mit möglicherweise noch größeren Folgen. Der Oberste Gerichtshof der USA steht kurz vor einer Entscheidung über die Rechtmäßigkeit der von der Trump-Regierung verhängten Zölle auf Grundlage des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA). Das Urteil könnte die Fiskalpolitik neu gestalten, den 30-Billionen-Dollar-Markt für US-Staatsanleihen verunsichern und die Anlegerstimmung für das Jahr 2026 prägen.

Ein fiskalisches Loch von 140 Milliarden Dollar

Es geht um die Frage, ob die Regierung ihre Notstandsbefugnisse überschritten hat. Laut Bernard Yaros von Oxford Economics stützt sich das Wachstum der Zolleinnahmen in den Haushaltsjahren 2024–2025 zu drei Vierteln auf den IEEPA. Sollte das Gericht gegen Trump entscheiden, könnte die Regierung gezwungen sein, 140 Milliarden Dollar an Importeure zurückzuerstatten.

Anleihehändler sind bereits nervös. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe ist auf 4,185 % gestiegen, den höchsten Stand seit September. George Catrambone von DWS warnte, dass ein ungünstiges Urteil einen sprunghaften Anstieg der Renditen auslösen könnte, da das Finanzministerium versuchen würde, die fiskalische Lücke durch die Ausgabe weiterer Schuldtitel zu schließen. In einem defizitbelasteten Umfeld könnten Befürchtungen eines Überangebots die Anleihekurse unter Druck setzen.

Gegenangriff der Unternehmen: Costco geht voran

Der Rechtsstreit beschränkt sich nicht auf Washington. US-Unternehmen mischen sich ein. Anfang dieses Monats reichte Costco Klage ein und fordert Zollrückerstattungen für den Fall, dass das Urteil gegen die Regierung ausfällt. Analysten erwarten, dass Walmart und Target nachziehen werden, was eine Welle von Forderungen auslösen könnte, die die Haushaltsplanung überfordert.

Doch Rückerstattungen könnten kompliziert werden. Der TD-Securities-Strategist Gennadiy Goldberg wies darauf hin, dass Rückzahlungen möglicherweise über künftige Importabzüge und nicht als direkte Barzahlungen abgewickelt werden könnten. Dies würde den unmittelbaren Druck auf das Finanzministerium mildern, aber Unsicherheit schaffen – etwas, das Märkte nicht mögen.

Vorhersagemärkte: Die Chancen stehen gegen Trump

Investoren hedgen gegen eine Niederlage Trumps. Auf der Vorhersageplattform Polymarket stehen die Chancen, dass der Oberste Gerichtshof die Zölle aufrechterhält, bei nur 25 %. Barbara Reinhard von Voya Investment Management warnte, dass diese Pessimismus, kombiniert mit den potenziellen Auswirkungen von Rückerstattungen, die Volatilität bei langfristigen Renditen antreiben könnte. Steigende Finanzierungskosten würden sich auf den Wohnungsmarkt auswirken und Haushalte enttäuschen, die auf Entlastung durch Zinssenkungen der Fed hoffen.

Trumps "Plan B"

Sollte das Gericht die IEEPA-Zölle kippen, haben Beobachter zufolge die Regierung noch Rückfalloptionen. Das Weiße Haus könnte Abschnitt 232 des Trade Expansion Act von 1962 (nationale Sicherheit) oder Abschnitt 301 des Trade Act von 1974 (unlautere Handelspraktiken) anrufen, um die Zölle neu zu verpacken. Goldberg argumentiert, dass diese Entschlossenheit, Einnahmen zu erhalten, die Anleihemärkte paradoxerweise beruhigen könnte – zumindest würden die fiskalischen Zuflüsse nicht vollständig versiegen.

Anlegerausblick für 2026

Der Zeitpunkt und das Ergebnis des Urteils werden den Ton für die erste Hälfte des Jahres 2026 vorgeben. Falls es sich bis Anfang nächsten Jahres verzögert oder alternative Zollmechanismen schnell eingeführt werden, könnte die Panik durch andere positive Faktoren gedämpft werden: Trumps Steuersenkungen, fallende Ölpreise und Erwartungen einer Lockerung der Fed-Politik. Reinhard glaubt, dass diese Faktoren Aktien auch bei Turbulenzen am Anleihemarkt stützen könnten.

Dennoch sind die Risiken klar. Ein Urteil gegen Trump könnte die Renditen von US-Staatsanleihen über 4,3 % treiben, hoch bewertete Technologieaktien unter Druck setzen und die Finanzierungsbedingungen verschärfen. Langfristig könnte es Washington jedoch zwingen, sich mit fiskalischer Disziplin auseinanderzusetzen – ein Schritt, den einige Anleger für überfällig halten.

Das große Ganze

Dieser Fall verdeutlicht die Schnittstelle von Recht, Politik und Märkten. Für Händler ist der Zinssenkung der Fed im Dezember bereits eingepreist. Die eigentliche Dramatik liegt darin, ob der Oberste Gerichtshof eine fiskalische Abrechnung erzwingt.

  • Kurzfristiges Risiko: Zollrückerstattungen schöpfen Reserven ab, Anleiheemissionen steigen sprunghaft an, Renditen schießen in die Höhe.

  • Mittelfristige Unsicherheit: Unternehmen fordern Rückerstattungen, das Finanzministerium bewältigt die Komplexität der Rückzahlungen.

  • Langfristiges Potenzial: Fiskalische Disziplin wird durchgesetzt, alternative Zollmechanismen kommen zum Einsatz, Märkte kalibrieren sich neu.

Fazit: Die Rendite der 10-jährigen Anleihe im Blick behalten

Während sich die Wall Street auf Powells Pressekonferenz vorbereitet, zeichnet sich das Urteil des Obersten Gerichtshofs als der wahre Markttreiber ab. Eine Rückerstattung von 140 Milliarden Dollar könnte eine "Taper Tantrum"-ähnliche Reaktion auslösen, aber auch die politischen Entscheidungsträger zu mehr fiskalischer Verantwortung drängen.

Für Anleger bleibt der zuverlässigste Kompass die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe. Ob sie sich stabilisiert oder in die Höhe schießt, wird zeigen, wie die Märkte diesen historischen Rechtsstreit verdauen – und ob 2026 mit Optimismus oder Turbulenzen beginnt.

Haftungsausschluss: Daten und Insights von 13radar.com dienen nur zu Informationszwecken und stellen keine Finanz-, Anlage- oder Handelsberatung dar. Führen Sie immer Ihre eigene Recherche durch.

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