Die Übernahmeschlacht um Warner Bros. Discovery (WBD) hat eine weitere dramatische Wendung genommen. Nach der achten Ablehnung verschärft Paramount Skydance sein Argument: Die Kabelfernsehnetzwerk-Sparte von WBD – Discovery Global – ist effektiv nichts wert.
In einem diese Woche an WBD gesendeten Schreiben behauptete Paramount, dass die zu erwerbenden Kabelvermögenswerte nach Berücksichtigung von Schulden und Verbindlichkeiten eine Bewertung von "0 Dollar pro Aktie" aufweisen. Diese ungewöhnlich drastische Einschätzung soll Paramounts Argumentation stärken, dass sein reines Barangebot von 30 Dollar pro Aktie dem konkurrierenden Angebot von Netflix überlegen ist.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Das Schreiben traf genau einen Tag nachdem WBD Paramounts Vorschlag erneut abgelehnt und seine Präferenz für Netflix' Angebot bekräftigt hatte, das WBD mit 82,7 Milliarden Dollar bewertet und nur die Studio- und Streaming-Vermögenswerte – nicht die Kabelnetzwerke – umfasst.
Paramounts Argument: Die Kabelnetzwerke sind eine Belastung, kein Vermögenswert
Paramount räumt ein, dass WBDs Kabelvermögenswerte theoretisch "bis zu etwa 0,50 Dollar pro Aktie" wert sein könnten – unter idealen Bedingungen. Das Unternehmen besteht jedoch darauf, dass reale Marktdaten eine andere Geschichte erzählen.
Der Schlüsselbeweis: das desaströse Börsendebüt von Versant Media, der neu ausgegliederten Kabelnetzwerkgruppe von Comcast. Die Aktien von Versant fielen in den ersten Handelstagen um mehr als 20–30 %, was Fragen zum langfristigen Wert traditioneller Kabelgeschäfte in einer von Streaming dominierten Welt aufwirft.
Paramount argumentiert, dass Discovery Global bei einer ähnlichen Ausgliederung wie Versant wahrscheinlich dasselbe Schicksal erleiden würde – möglicherweise nach Berücksichtigung der Schuldenverpflichtungen bei null gehandelt würde.
Dies markiert eine deutliche Abkehr von Paramounts früheren Bewertungen. Während des Bieterverfahrens hatte das Unternehmen Discovery Global zunächst mit 1 Dollar pro Aktie und später mit 1,40 Dollar pro Aktie bewertet, basierend auf Wall Streets Erwartungen vor dem Versant-Börsengang. Die schwache Performance von Versant hat jedoch zu einer pessimistischeren Sichtweise geführt.
Warum Versant wichtig ist
Versant wird allgemein als das vergleichbarste Unternehmen zur Kabelsparte von WBD angesehen. Es besitzt:
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CNBC
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MS NOW (ehemals MSNBC)
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USA Network (mit Live-Sportrechten)
Discovery Global besitzt hingegen:
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CNN
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TNT
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TruTV
Da beide Unternehmen große, alternde Kabelnetzwerke mit schrumpfenden Abonnentenstämmen betreiben, haben Analysten die Bewertung von Versant als Stellvertreter für Discovery Global herangezogen.
Basierend auf der Marktkapitalisierung von Versant bis Mittwoch schätzt Business Insider den Wert von Discovery Global auf etwa 1,20 Dollar pro Aktie – weit unter dem, was WBD in seinen eigenen Kommunikationen impliziert hat.
WBD wehrt sich: "Unsere Kabelvermögenswerte sind größer und profitabler"
WBD widerspricht Paramounts Bewertung entschieden. In einem Schreiben an die Aktionäre argumentierte das Unternehmen, dass Discovery Global im Vergleich zum Portfolio von Versant:
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Größer
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Profitabler
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Geografisch diversifizierter
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International relevanter
ist.
Einige Analysten stimmen zu. Rich Greenfield von Lightshed Partners bezeichnete den Vergleich mit Versant als "Fehlschluss" und argumentierte, dass Discovery Global vier- bis fünfmal mehr wert sein könnte als von Paramount behauptet.
Der Vorstand von WBD bleibt zuversichtlich, dass eine strategische Prüfung einen deutlich höheren Wert freisetzen könnte, als Paramounts Schätzungen nahelegen.
Paramounts Strategie: Aktionäre überzeugen, nicht den Vorstand
Nach acht Ablehnungen scheint Paramount seine Strategie zu ändern. CNBC berichtet, dass das Unternehmen sein Angebot möglicherweise direkt an die WBD-Aktionäre richtet und argumentiert, dass sein reines Barangebot von 30 Dollar pro Aktie attraktiver sei und weniger Unsicherheiten berge als Netflix' gemischtes Bar- und Aktienangebot.
Paramount versucht auch, die Finanzierungsbedenken von WBD auszuräumen. Ein wichtiger Schritt war die Sicherung einer persönlichen Eigenkapitalgarantie über 40,4 Milliarden Dollar vom Oracle-Mitgründer Larry Ellison, dem Vater von Paramount-CEO David Ellison.
Paramount erklärt, diese Garantie "behebe alle Probleme", die WBD zu seinen früheren Vorschlägen geäußert hatte.
Netflix' Angebot: Höhere Sicherheit, geringerer Umfang
Netflix' Angebot – bewertet mit 27,75 Dollar pro Aktie – ist niedriger als das von Paramount, umfasst aber nur die Streaming- und Studio-Vermögenswerte, die WBD als seine Kronjuwelen betrachtet. Die Kabelnetzwerke würden nach dem Netflix-Plan in ein separates Unternehmen ausgegliedert.
Der Vorstand von WBD argumentiert, dass Netflix' Vorschlag:
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Eine höhere Abschlusssicherheit bietet
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Die regulatorischen Risiken einer Vollübernahme vermeidet
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Sich auf die Vermögenswerte mit dem stärksten langfristigen Wachstumspotenzial konzentriert
Paramount entgegnet, dass Netflix' Angebot "mehrere unsichere Komponenten" enthalte und seit seiner Ankündigung bereits "im Gesamtwert gesunken" sei.
Das große Ganze: Der Niedergang des Kabelfernsehens beschleunigt sich
Die Debatte über die Bewertung von Discovery Global spiegelt einen breiteren Branchentrend wider: den rapiden Niedergang des traditionellen Kabelfernsehens.
Das schwache Debüt von Versant unterstreicht die Skepsis der Anleger gegenüber:
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Schrumpfenden Kabelabonnentenstämmen
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Steigenden Inhaltekosten
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Sinkenden Werbeeinnahmen
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Hohen Schuldenlasten bei traditionellen Medienunternehmen
Paramount nutzt diese Skepsis, um zu argumentieren, dass sein reines Barangebot der einzige realistische Weg für WBD-Aktionäre sei, Wert aus den Kabelvermögenswerten zu ziehen.
Was kommt als Nächstes?
Der Bieterkrieg ist noch lange nicht vorbei. Wichtige Entwicklungen, die zu beobachten sind:
1. Wird Paramount feindlich übernehmen?
CNBC berichtet, dass Paramount erwägt, sein Angebot direkt an die Aktionäre zu richten, wenn der Vorstand weiterhin Widerstand leistet.
2. Wird der Vorstand von WBD umdenken, wenn Versant weiter fällt?
Die Aktienperformance von Versant ist nun eine zentrale Variable in der Bewertungsdebatte.
3. Werden Regulierungsbehörden eingreifen?
Eine Vollübernahme durch Paramount könnte einer strengeren Prüfung unterzogen werden als Netflix' Teilvermögens-Deal.
4. Wird Larry Ellison seine finanzielle Unterstützung erhöhen?
Sein Engagement hat bereits die Glaubwürdigkeit von Paramounts Gebiet neu definiert.
Fazit
Paramounts Behauptung, dass WBDs Kabelvermögenswerte "nichts wert" seien, ist mehr als eine Bewertungsargumentation – es ist ein strategisches Manöver in einer der hochkarätigsten Medienschlachten der letzten Jahre. Angesichts des holprigen Debüts von Versant, das die Erwartungen an traditionelle Kabelnetzwerke neu definiert, setzt Paramount darauf, dass die Aktionäre letztendlich die Sicherheit seines reinen Barangebots von 30 Dollar pro Aktie dem begrenzteren Vorschlag von Netflix vorziehen werden.
WBD hingegen besteht darauf, dass seine Kabelvermögenswerte weitaus wertvoller sind als von Paramount dargestellt – und dass Netflix' Deal einen saubereren, strategischeren Weg nach vorne bietet.
Während sich der Kampf verschärft, steht eines fest: Die Zukunft von WBD wird nicht nur von der Streaming-Ökonomie, sondern auch von der sich rapide wandelnden Wahrnehmung dessen geprägt sein, was Kabelfernsehen im Jahr 2026 wert ist.