Ein denkwürdiger Zeitpunkt. OpenAIs erstes Stargate-Rechenzentrum – eine riesige Anlage in Abilene, Texas, betrieben mit Oracle-Cloud-Infrastruktur und Nvidia-GPUs – ging diese Woche genau dann ans Netz, als Investoren begannen zu hinterfragen, ob der künstliche Intelligenz-Boom nicht überhitzt läuft.
Der Start, der die nächste Wachstumsphase von OpenAI demonstrieren sollte, fiel mit einem Rücksetzer bei US-Technologieaktien zusammen.
Investorensorgen: Energie, Parallelen und Bewertungen
Der Verkaufswille war nicht nur Gewinnmitnahmen geschuldet. Investoren stellen unbequeme Fragen:
- Energiebedarf: Der Betrieb hyperskalierter KI-Rechenzentren erfordert gewaltige Mengen an Strom – nach einigen Schätzungen entspricht das der Leistung von 17 Kernkraftwerken. Woher dieser Strom kommen soll und zu welchen Kosten, bleibt unklar.
- Dotcom-Vergleiche: Nvidias Investition in OpenAI, die dem KI-Unternehmen effektiv Geld zum Kauf weiterer Nvidia-Chips gibt, hat Vergleiche zu den zirkulären Finanzierungsschemata der Dotcom-Blase der 2000er Jahre hervorgerufen.
- Marktüberschwang: Fed-Chef Jerome Powell schürte die Skepsis noch weiter, indem er am Dienstag warnte, dass „nach vielen Maßstäben die Aktienkurse recht hoch bewertet sind“. Er wies auch auf das Risiko einer Stagflation hin – anhaltende Inflation gepaart mit einem schwächelnden Arbeitsmarkt.
Diese Kombination aus überzogenen Bewertungen, makroökonomischer Unsicherheit und himmelhohen Erwartungen an die KI ließ einige Investoren unruhig werden.
Altmans Antwort: „Das ist notwendig“
OpenAI-CEO Sam Altman wischte die Bedenken zum Zeitpunkt beiseite. Er räumte ein, dass „die Leute besorgt sind“, beharrte aber darauf, dass massive Infrastrukturausgaben nötig seien, um mit der KI-Nachfrage Schritt zu halten. „Das ist notwendig“, sagte Altman und verglich den Moment mit einer Braut, die an ihrem Hochzeitstag überschattet wird – allerdings von eifrigen Verehrern umgeben, die mit Milliardenschecks wedeln.
OpenAIs Finanzchefin Sarah Friar fügte hinzu, dass das Unternehmen für dieses Jahr einen Umsatz von 13 Milliarden US-Dollar erwarte, was den Umfang seiner Ambitionen unterstreiche.
Weitere Marktbewegungen
Der Stargate-Start war nicht die einzige Schlagzeile, die die Märkte bewegte:
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US-Technologieaktien gaben nach und zogen den S&P 500 nach einem intraday-Höchststand um 0,55 % nach unten.
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Alibaba legte im Hongkong-Handel kräftig zu, nachdem CEO Eddie Wu zugesagt hatte, die KI-Investitionen über die zuvor angekündigten 380 Milliarden Yuan (53 Milliarden US-Dollar) in drei Jahren hinaus zu erhöhen. Die Aktie erreichte ihr höchstes Niveau seit 2021.
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Japanische Aktien setzten ihre Rekordjagd fort, gestützt durch ausländische Zuflüsse und Governance-Reformen. Analysten sagen, Japan könnte endlich seine „verlorenen Jahrzehnte“ der Deflation hinter sich lassen, da Reallöhne und privater Konsum eine zaghafte Erholung zeigen und die Inflation sich nahe dem 2%-Ziel der Bank of Japan stabilisiert.
Fazit
Der Stargate-Start von OpenAI verdeutlicht sowohl das Versprechen als auch die Fallstricke der KI-Revolution. Einerseits expandiert das Unternehmen mit atemberaubendem Tempo, unterstützt von finanzstarken Partnern wie Nvidia und Oracle. Andererseits wecken die schieren Kosten, der Energiebedarf und der Marktüberschwang um die KI unangenehme Erinnerungen an vergangene Blasen.
Für Investoren ist die Botschaft klar: Die KI-Story ist noch lange nicht zu Ende, aber die einfachen Gewinne könnten hinter uns liegen. Während Powell vor hohen Bewertungen und Stagflationsrisiken warnt und die globalen Märkte gemischte Signale senden, könnte der Weg für OpenAI – und für KI-Aktien im Allgemeinen – holpriger sein, als der Hype vermuten lässt.