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Jeremy Grantham warnt: Der KI-Boom ist eine Blase

Jeremy Grantham bezeichnet KI als klassische Blase und rät Anlegern, über öffentliche Märkte hinaus auf Venture Capital und frühe Innovationsphasen zu blicken.

13Radar Research
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Jeremy Grantham warnt: Der KI-Boom ist eine Blase

Jeremy Grantham warnt Anleger seit mehr als vier Jahrzehnten vor Blasen, lange bevor sie platzen. Er sagte den Dotcom-Crash voraus. Er sagte die Finanzkrise 2008 voraus. Er warnte sogar vor der japanischen Vermögenspreisblase Ende der 1980er Jahre. Und jetzt schlägt der Mitbegründer von GMO erneut Alarm – diesmal bei künstlicher Intelligenz.

In einer neuen Interviewrunde zu seinem Buch The Making of a Permabear argumentiert Grantham, dass der aktuelle KI-Boom nicht nur überhitzt ist – es handelt sich um eine „klassische Marktblase“, die wie alle großen Blasen enden wird: mit einer schmerzhaften Korrektur. Seine Äußerungen spiegeln seinen jüngsten Auftritt bei Bloombergs Merryn Talks Money wider, wo er KI als transformative Technologie beschrieb, die von einem unhaltbaren Marktrausch umhüllt ist.

Anders als manche Untergangspropheten rät Grantham Anlegern jedoch nicht, panisch abzuziehen. Stattdessen fordert er sie auf, neu zu überdenken, wo die wirklichen Chancen liegen – und die sind nicht an den öffentlichen Märkten.

KI: Eine transformative Technologie und eine Lehrbuch-Blase

Granthams Argument beginnt mit einem Paradoxon: KI ist wirklich revolutionär, aber genau deshalb ist sie zur Grundlage einer massiven Spekulationsblase geworden.

Im Bloomberg-Podcast verglich er den KI-Boom mit dem britischen Eisenbahnrausch des 19. Jahrhunderts und der Internetblase Ende der 1990er Jahre – Perioden, in denen transformative Technologien enormes Kapital anzogen, die Produktivität steigerten und schließlich spektakuläre Markteinbrüche auslösten.

„Jede wirklich wichtige neue Technologie war von einer Blase umgeben“, sagte Grantham. Das Muster ist immer dasselbe: frühes Potenzial, massive Investitionen, explodierende Bewertungen und dann eine brutale Bereinigung, bevor die wahren Gewinner hervortreten.

Seiner Ansicht nach unterscheidet sich der heutige KI-getriebene Aktienmarkt nicht davon. Er glaubt, dass sich der US-Markt derzeit in seiner dritten großen „Superblase“ befindet, hinter dem japanischen Höchststand von 1989 und der US-Immobilienblase.

Value-Investing gilt weiter: „Kaufen, wenn es günstig ist“

Granthams Kernphilosophie hat sich in 50 Jahren nicht geändert. Er glaubt nach wie vor, dass langfristige Renditen von der Bewertung bestimmt werden – und aktuell sind die Bewertungen weit über die Realität hinaus gedehnt.

Seine „eiserne Regel“ ist einfach: Je höher der Preis heute steigt, desto niedriger sind die künftigen Renditen.

KI-bezogene Investitionsausgaben, Anleger-Euphorie und der Glaube, dass „diesmal alles anders ist“, haben US-Aktien auf ein Niveau getrieben, das Grantham für unhaltbar hält. Er argumentiert, dass Anleger technologischen Fortschritt mit Investitionschancen verwechseln – ein Fehler, den er schon oft erlebt hat.

In The Making of a Permabear schreibt er, dass langfristiges Investieren in einer von kurzfristiger Performance besessenen Welt schwieriger wird. Aber die Prinzipien bleiben gleich: günstige Vermögenswerte kaufen, Blasen meiden und geduldig bleiben.

Warum Venture Capital – nicht öffentliche Märkte – die echte Chance ist

Trotz seiner skeptischen Haltung gegenüber öffentlichen Aktien ist Grantham nicht pessimistisch gegenüber Innovation. Tatsächlich ist er optimistisch – nur nicht so, wie die meisten Anleger erwarten.

Er glaubt, dass die besten Chancen heute im Venture Capital und bei frühen Start-ups liegen, nicht an den öffentlichen Märkten, wo die Bewertungen bereits hochgetrieben wurden.

Diese Sichtweise stimmt mit seiner langjährigen Überzeugung überein, dass die frühen Phasen technologischer Revolutionen – Eisenbahnen, Elektrizität, Internet – enormen Wert schaffen, dieser Wert jedoch überproportional von Innovatoren in privaten Märkten eingefangen wird und nicht von Anlegern an öffentlichen Märkten.

Mit anderen Worten: KI wird die Welt verändern, aber Anleger an öffentlichen Märkten werden möglicherweise nicht davon profitieren.

Dies ist eine bemerkenswerte Haltung eines legendären Value-Investors, aber sie spiegelt einen breiteren Wandel in der Finanzierung von Innovation wider. Viele der transformativsten KI-Unternehmen sind noch privat, und Grantham glaubt, dass dort das asymmetrische Aufwärtspotenzial liegt.

Reaktionen der Branche: Dalio, Deutsche Bank und Bernstein Advisors stimmen zu

Granthams Warnung steht nicht isoliert da. Mehrere bedeutende Stimmen der globalen Finanzwelt äußern ähnliche Bedenken.

Ray Dalio: Die KI-Blase steht erst am Anfang

Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, sagte kürzlich, die KI-Blase befinde sich noch in ihren Anfangsstadien, und Anleger würden zunehmend in nicht-US-Vermögenswerte umschichten, da die Bewertungen in den USA immer schwerer zu rechtfertigen seien.

Deutsche Bank: KI-Blase ist das größte Marktrisiko 2026

Eine Umfrage der Deutschen Bank ergab, dass mehr als die Hälfte der Vermögensverwalter die KI-Blase als das größte Marktrisiko für 2026 betrachtet.

Richard Bernstein Advisors: „Vollständiger Rausch“

Richard Bernstein Advisors warnte, dass überschüssige Liquidität einen „vollständigen Rausch“ ausgelöst habe, wobei spekulatives Verhalten auf Kryptowährungen und Meme-Aktien übergreife.

Diese Perspektiven spiegeln Granthams Ansicht wider, dass der KI-Boom von Optimismus in Manie übergegangen ist.

Aber nicht alle sind einverstanden: Das Argument für den „Hyperscale-Vorteil“ der KI

Während Grantham eine Blase sieht, argumentieren andere, dass der KI-Boom sich grundlegend von früheren Manien unterscheidet.

Einige Analysten verweisen auf den Hyperscale-Vorteil von Unternehmen wie Microsoft, Amazon und Google – Firmen mit massiven Cashflows, globaler Cloud-Infrastruktur und der Fähigkeit, Kapital in beispiellosem Umfang einzusetzen.

Analysten der Bank of America argumentieren, dass diese Unternehmen nicht nur spekulative Wetten sind – sie sind das Rückgrat der KI-Revolution, mit realen Gewinnen, realer Nachfrage und realen Wettbewerbsvorteilen.

Das ist der Kern des Gegenarguments: KI mag teuer sein, aber sie ist aus einem Grund teuer.

Die Frage ist, ob die heutigen Bewertungen nachhaltige langfristige Profitabilität oder kurzfristige Überschwänglichkeit widerspiegeln.

Granthams historische Perspektive: Warum Blasen auf dem Höhepunkt immer rational erscheinen

Eine von Granthams Stärken ist seine Fähigkeit, moderne Märkte im Kontext von Jahrhunderten Finanzgeschichte zu betrachten. In seinem Bloomberg-Interview betonte er, dass Blasen in Echtzeit immer gerechtfertigt wirken.

Während des Eisenbahnbooms glaubten Anleger, dass Eisenbahnen die Welt verändern würden – und sie hatten recht. Während der Dotcom-Ära glaubten Anleger, das Internet würde alles verändern – und sie hatten recht.

Aber in beiden Fällen zahlten Anleger dramatisch überhöhte Preise für Unternehmen in frühen Phasen, und die meisten dieser Unternehmen verschwanden, lange bevor die Technologie ausgereift war.

Grantham glaubt, dass KI demselben Drehbuch folgt:

  • Die Technologie ist real.
  • Die Produktivitätssteigerungen sind real.
  • Die langfristigen Auswirkungen sind real.
  • Aber die aktuellen Bewertungen sind es nicht.

Was Anleger jetzt tun sollten

Granthams Botschaft ist nicht, den Markt vollständig zu verlassen. Stattdessen bietet er einen differenzierteren Fahrplan:

1. Überbewertete US-Mega-Caps meiden

Er glaubt, dass die größten Risiken in den am stärksten überlaufenen Trades liegen – KI-bezogene US-Aktien mit überdehnten Bewertungen.

2. Auf Venture Capital und private Märkte blicken

Hier sieht Grantham die überzeugendsten Chancen, insbesondere in Klima-Technologie, Deep Tech und früher KI-Infrastruktur.

3. Global diversifizieren

Ähnlich wie Dalio glaubt Grantham, dass nicht-US-Vermögenswerte langfristig besseren Wert bieten könnten.

4. Auf Volatilität vorbereiten

Wenn die KI-Blase platzt, könnte die Korrektur scharf und breit ausfallen.

5. An Value-Prinzipien festhalten

Kaufen, wenn Vermögenswerte günstig sind, nicht wenn sie populär sind.

Fazit: Eine vertraute Warnung einer vertrauten Stimme

Jeremy Grantham warnt seit Jahrzehnten vor Blasen – und er lag öfter richtig als falsch. Seine jüngste Warnung vor KI basiert auf historischen Präzedenzfällen, Bewertungsdisziplin und einem tiefen Verständnis der Marktpsychologie.

Aber anders als bei früheren Blasen lehnt Grantham die zugrundeliegende Technologie nicht ab. Er glaubt, dass KI die Welt verändern wird – nur nicht so, dass sie die heutigen Bewertungen an öffentlichen Märkten rechtfertigt.

Für Anleger ist die Botschaft klar: KI ist real. Die Blase ist real. Und die besten Chancen liegen möglicherweise dort, wo wenige hinschauen – in frühen Innovationsphasen, nicht an den öffentlichen Märkten.

Haftungsausschluss: Daten und Insights von 13radar.com dienen nur zu Informationszwecken und stellen keine Finanz-, Anlage- oder Handelsberatung dar. Führen Sie immer Ihre eigene Recherche durch.

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