Das Protokoll der September-Sitzung der Federal Reserve, das am Mittwoch veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Entscheidungsträger weitgehend darin übereinstimmten, dass die Zinsen gesenkt werden sollten – jedoch uneins darüber waren, wie weit und wie schnell. Die Debatte unterstreicht den schwierigen Balanceakt der Notenbank, während sie einen sich abschwächenden Arbeitsmarkt, anhaltende Inflationsrisiken und die zusätzliche Komplikation eines Regierungs-Shutdowns bewältigt, der wichtige Wirtschaftsdaten beeinträchtigt hat.
Zwei oder drei Senkungen?
Das Federal Open Market Committee (FOMC) stimmte mit 11 zu 1 dafür, den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt zu senken, wodurch der Zielbereich auf 4 %–4,25 % gesenkt wurde. Der Schritt wurde allgemein erwartet, doch das Protokoll offenbart eine Spaltung über den weiteren Kurs.
Eine knappe Mehrheit von 10 zu 9 der Teilnehmer befürwortete zwei weitere Viertelpunkt-Senkungen bis Jahresende, während andere zu drei tendierten. Die Projektionsmaterialien deuteten auch auf eine weitere Senkung sowohl in 2026 als auch 2027 hin, bevor sich die Zinsen langfristig in einem neutralen Bereich um 3 % einpendeln.
Die einzige abweichende Stimme kam von dem neu ernannten Gouverneur Stephen Miran, der erst Stunden vor der Sitzung sein Amt angetreten hatte. Miran plädierte für eine aggressivere Senkung um einen halben Prozentpunkt und stellte sich damit als einziger Entscheidungsträger dar, der eine schnellere Lockerung forderte. In späteren Äußerungen räumte er ein, der einzige „Punkt“ in den geldpolitischen Projektionen der Fed zu sein, der einen steileren Senkungspfad signalisiert.
Sorgen um den Arbeitsmarkt
Das Protokoll hebt die wachsende Besorgnis über den Arbeitsmarkt hervor, den die Entscheidungsträger als schwächer werdend beschrieben. Während die Inflation über dem 2 %-Ziel der Fed bleibt, urteilten die Teilnehmer, dass die Risiken für die Beschäftigung zugenommen hätten, während die Aufwärtsrisiken für die Inflation entweder abgenommen hätten oder stabil geblieben seien.
„Die Teilnehmer stellten allgemein fest, dass ihre Einschätzungen zur angemessenen geldpolitischen Maßnahme bei dieser Sitzung eine Verschiebung im Risikogleichgewicht widerspiegelten“, heißt es im Protokoll. „Insbesondere beobachteten die meisten Teilnehmer, dass es angemessen sei, den Zielbereich für den Federal Funds Rate in Richtung einer neutraleren Ausrichtung zu bewegen, weil sie zu der Einschätzung gelangt waren, dass die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung zugenommen hätten.“
Dennoch mahnten einige Entscheidungsträger zur Vorsicht und wiesen darauf hin, dass die Finanzierungsbedingungen nicht besonders restriktiv zu sein schienen. Diese Ansicht legte nahe, dass die Fed zu aggressive Senkungen vermeiden sollte, selbst wenn andere argumentierten, dass Lockerungen notwendig seien, um eine weitere Verschlechterung des Arbeitsmarktes zu verhindern.
Zölle und Inflation
Ein weiteres Diskussionsthema war die Auswirkung der Zölle von Präsident Donald Trump. Während die Abgaben in diesem Jahr zu höheren Preisen beigetragen haben, waren sich die Entscheidungsträger allgemein einig, dass sie wahrscheinlich keine dauerhafte Inflationsquelle sein würden. Der Konsens war, dass die inflatorischen Drucke durch Zölle nachlassen würden, sodass sich die Fed auf breitere wirtschaftliche Dynamiken konzentrieren könne.
Markterwartungen
Die interne Debatte der Fed spiegelte die Erwartungen an den Finanzmärkten eng wider. Eine Umfrage unter Primary Dealern, die von der New Yorker Fed durchgeführt wurde, zeigte, dass fast alle Befragten eine Senkung um 25 Basispunkte bei der September-Sitzung erwarteten, wobei etwa die Hälfte eine weitere Senkung im Oktober erwartete. Bis Jahresende erwartete die überwiegende Mehrheit der Umfrageteilnehmer mindestens zwei Senkungen, und etwa die Hälfte rechnete mit drei.
Die Marktpreise implizieren derzeit eine nahezu sichere weitere Senkung bei der Sitzung am 28.–29. Oktober, gefolgt von einer weiteren im Dezember.
Der Shutdown-Faktor
Die Lage wird durch den anhaltenden Regierungs-Shutdown erschwert, der Behörden wie das Arbeits- und Handelsministerium lahmgelegt hat. Das bedeutet, dass die Entscheidungsträger möglicherweise keinen Zugang zu neuen Daten über Inflation, Arbeitslosigkeit und Konsumausgaben vor ihrer nächsten Sitzung haben.
Ohne diese Berichte könnte die Fed „blind fliegen“ und sich auf unvollständige Informationen stützen, um geldpolitische Entscheidungen zu treffen. Der Datenmangel könnte die Fed nicht davon abhalten, die Zinsen zu senken, aber er könnte Umfang und Tempo künftiger Schritte beeinflussen.
Ein knapper Konsens
Trotz der unterschiedlichen Aussichten zeigt das Protokoll eine breite Übereinstimmung darin, dass die Fed in der Lage ist, flexibel auf wirtschaftliche Entwicklungen zu reagieren. „Fast alle Teilnehmer stellten fest, dass das Komitee mit der Senkung des Zielbereichs für den Federal Funds Rate bei dieser Sitzung gut aufgestellt sei, um zeitnah auf mögliche wirtschaftliche Entwicklungen zu reagieren“, heißt es im Protokoll.
Diese Flexibilität wird in den kommenden Monaten auf die Probe gestellt, während die Fed die Risiken einer zu langsamen Senkung gegen die Gefahren einer zu schnellen Lockerung abwägt.
Erkenntnisse für Anleger
Für Anleger bestätigt das September-Protokoll mehrere zentrale Themen:
-
Zinssenkungen stehen bevor: Bis Jahresende sind wahrscheinlich mindestens zwei weitere Senkungen zu erwarten, mit der Möglichkeit von drei.
-
Schwäche des Arbeitsmarktes treibt die Politik: Beschäftigungssorgen stehen nun im Vordergrund, selbst wenn die Inflation über dem Ziel bleibt.
-
Die politische Unsicherheit ist hoch: Eine gespaltene Fed, ein Regierungs-Shutdown und gemischte wirtschaftliche Signale bedeuten, dass die Volatilität anhalten könnte.
-
Langfristige Zinsen könnten sich niedriger einpendeln: Die Projektionen deuten darauf hin, dass sich der Federal Funds Rate schließlich um 3 % stabilisieren wird.
Das Fazit
Das September-Protokoll der Fed zeichnet das Bild einer Notenbank, die zu weiteren Lockerungen tendiert, aber über das Tempo gespalten ist. Da sich der Arbeitsmarkt abschwächt und die Inflationsrisiken nachlassen, sehen die meisten Entscheidungsträger Spielraum für weitere Senkungen. Doch der Mangel an frischen Daten aufgrund des Shutdowns, kombiniert mit internen Meinungsverschiedenheiten, bedeutet, dass der weitere Weg alles andere als klar ist.
Für die Märkte ist die Botschaft eindeutig: Erwarten Sie weitere Senkungen, aber erwarten Sie keine Einmütigkeit. Die Fed navigiert in einem schwierigen Umfeld, und Anleger sollten sich auf eine holprige Fahrt einstellen, während sich das Jahr 2025 dem Ende zuneigt.