Absatzrückgang in Europa
Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) gingen die Tesla-EV-Zulassungen – ein gängiger Indikator für Verkäufe – im August um 23 % im Jahresvergleich zurück und fielen auf 14.831 Einheiten gegenüber 19.136 im gleichen Monat des Jahres 2024.
Die Schwäche ist kein Einzelfall. In den ersten acht Monaten des Jahres 2025 sind die europäischen Zulassungen von Tesla um 32,6 % gesunken, was auf eine anhaltende Talfahrt hindeutet.
Dieser Rückgang steht in scharfem Kontrast zum Gesamtmarkt. Die gesamten EV-Zulassungen in Europa stiegen im gleichen Zeitraum um 26 %, während die Zulassungen von Benzin- und Dieselfahrzeugen um mehr als 20 % fielen. Mit anderen Worten: Der E-Auto-Kuchen wächst, aber Teslas Anteil daran schrumpft.
Analysten sehen weiterhin starke Auslieferungen
Trotz der Schwäche in Europa bleiben einige Analysten bezüglich Teslas globaler Performance optimistisch. RBC Capital Markets sagte in einer Mitteilung am Donnerstag, dass sie erwarten, dass Teslas Auslieferungen im dritten Quartal 456.000 Fahrzeuge erreichen. Das würde sowohl die FactSet-Konsensschätzung von 448.000 als auch die Visible-Alpha-Konsensschätzung von 440.000 übertreffen.
RBC verwies auf einen wahrscheinlichen Nachfrageschub in den USA, da Verbraucher versuchen, den bundesstaatlichen E-Auto-Steuerbonus in Höhe von 7.500 US-Dollar zu nutzen, der Ende September ausläuft.
Aktienperformance im Jahr 2025
Selbst mit dem Verkaufstief am Donnerstag hat die Tesla-Aktie in diesem Jahr eine bescheidene Erholung hingelegt. Die Aktie ist im Jahr 2025 um etwa 5 % gestiegen und hat damit nach einem schmerzhaften ersten Quartal, in dem die Aktie um 36 % einbrach, etwas Boden gutgemacht.
Dennoch spiegelt die Volatilität die Spannung zwischen Teslas langfristiger Wachstumsgeschichte und kurzfristigen Herausforderungen wider – von Wettbewerbsdruck bis hin zu Reputationsrisiken im Zusammenhang mit CEO Elon Musk.
Musks politischer Aktivismus und die Markenwirkung
Musks offener politischer Aktivismus belastet zunehmend das Markenimage von Tesla. Anfang dieses Jahres unterstützte er die deutsche rechtsextreme AfD-Partei. Kürzlich trat er per Video bei einer anti-immigrantischen Kundgebung im Vereinigten Königreich auf, die gewalttätig wurde und von dem Aktivisten Tommy Robinson, einem verurteilten Betrüger, angeführt wurde.
Der britische Premierminister Keir Starmer rügte Musk öffentlich für seine „gefährlichen“ Kommentare auf der Kundgebung, bei der 26 Polizeibeamte verletzt wurden. Musk sagte den Teilnehmern: „Gewalt kommt auf euch zu“ und „entweder ihr wehrt euch oder ihr sterbt.“
Solche Kontroversen haben die Attraktivität von Tesla bei einigen potenziellen E-Auto-Käufern gedämpft, insbesondere in Europa, wo die Markenwahrnehmung eine bedeutende Rolle bei der Kaufentscheidung spielt.
Ausblick: Erschwingliches Modell in Arbeit
Um die Nachfrage wiederzubeleben, hat Tesla bestätigt, dass ein erschwingliches neues Modell in Entwicklung ist. Das kostengünstigere E-Auto könnte Tesla helfen, dem zunehmenden Wettbewerbsdruck von Rivalen wie Volkswagen, BYD und anderen Automobilherstellern standzuhalten, die in Europa und darüber hinaus kontinuierlich Marktanteile gewinnen.
Bei Erfolg könnte das neue Modell in Regionen, in denen Tesla an Boden verloren hat, wieder Schwung bringen und gleichzeitig seine Kundenbasis in den USA und Asien erweitern.
Fazit
Teslas Absatzflaute in Europa unterstreicht die Herausforderungen, die Dominanz in einem schnell wachsenden E-Auto-Markt aufrechtzuerhalten. Während die globalen Auslieferungen in diesem Quartal möglicherweise noch die Erwartungen übertreffen, steht das Unternehmen unter zunehmendem Druck sowohl von Wettbewerbern als auch von Musks eigenen politischen Kontroversen.
Für Anleger ist die entscheidende Frage, ob Teslas bevorstehendes erschwingliches Modell die Erzählung neu ausrichten kann – oder ob die Konkurrenten weiterhin an seiner einst dominierenden Führungsposition nagen werden.