Zollbefreiungen für lokale Produktion
Trump erklärte, die Maßnahme gelte nicht für Unternehmen, die bereits mit dem Bau von Anlagen in den USA begonnen haben. „Daher wird es für diese pharmazeutischen Produkte keinen Zoll geben, wenn die Bauarbeiten bereits angelaufen sind“, schrieb er auf Truth Social.
Die Befreiung umfasst Projekte, bei denen bereits der erste Spatenstich erfolgt ist oder die sich aktuell im Bau befinden. Dies signalisiert, dass die Regierung Pharmaunternehmen dazu bewegen möchte, die Produktion zu lokalisieren, anstatt auf Importe zu setzen.
Marken- oder patentgeschützte Medikamente – die unter Handelsnamen verkauft und durch geistige Eigentumsrechte geschützt sind – sind in der Regel bis zum Ablauf ihrer Patente vor Generika-Konkurrenz geschützt. Diese Produkte gehören zu den profitabelsten Segmenten der Pharmaindustrie.
Weitere Zollmaßnahmen
Die Pharmazölle wurden zusammen mit neuen Abgaben auf andere Waren angekündigt. Ab dem 1. Oktober werden die USA außerdem folgendes einführen:
- 25 % Zoll auf schwere Lkw
- 50 % Zoll auf Küchenschränke, Badezimmerschränke und verwandte Produkte
Diese Schritte erweitern eine wachsende Liste protektionistischer Maßnahmen, die darauf abzielen, die US-Handelspolitik neu auszurichten und die heimische Produktion zu fördern.
Eskalierende Drohungen bei Arzneimittelimporten
Der 100 % Zoll könnte nur der Anfang sein. In einem Interview mit CNBCs Squawk Box im August warnte Trump, dass Zölle auf importierte Pharmazeutika letztendlich auf bis zu 250 % steigen könnten. Er beschrieb die Einführung als schrittweise: Beginnend mit einem „geringen Zoll“, dann Anstieg auf 150 % und schließlich 250 % innerhalb von 12 bis 18 Monaten.
Eine derart drastische Eskalation würde eines der aggressivsten Zollregime darstellen, das jemals auf den Pharmasektor angewendet wurde, und wirft Fragen zu möglichen Auswirkungen auf Arzneimittelpreise, Lieferketten und den Patientenzugang auf.
Ausweitung der nationalen Sicherheitsuntersuchungen
Die Ankündigung erfolgt nur einen Tag, nachdem das Handelsministerium neue Untersuchungen zur nationalen Sicherheit zu Importen von Robotik, Industrieanlagen und Medizinprodukten eingeleitet hat.
Die jüngsten Untersuchungen erstrecken sich auch auf persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich chirurgischer Masken, N95-Atemschutzmasken, Handschuhe, Spritzen und Nadeln. Das Handelsministerium stellte jedoch klar, dass Pharmazeutika – einschließlich verschreibungspflichtiger Medikamente, Biologika und Spezialarzneimittel – im Rahmen einer Untersuchung nach Section 232 separat geprüft werden.
Alle neuen Abgaben, die aus diesen sektorspezifischen Untersuchungen resultieren, würden zu Trumps bestehenden länderspezifischen Zöllen hinzukommen. Die Europäische Union und Japan haben bereits Vereinbarungen getroffen, die sie vor zusätzlichen Abgaben schützen könnten.
Was dies für die Pharma- und Handelsbranche bedeutet
Der Schritt unterstreicht das Bestreben der Regierung, kritische Lieferketten zurück in die USA zu holen, insbesondere in Branchen, die mit Gesundheitswesen und nationaler Sicherheit verbunden sind. Für Pharmaunternehmen ist die Botschaft klar: Investiert in die US-Produktion oder seht steilen Importstrafen gegenüber.
Dennoch wirft die Politik heikle Fragen auf. Werden Zölle die Arzneimittelpreise für amerikanische Verbraucher in die Höhe treiben? Können Unternehmen die Produktion realistisch schnell genug verlagern, um Strafen zu vermeiden? Und wie werden Handelspartner auf eine weitere Runde US-Zölle reagieren?
Das Fazit
Indem die USA Marken- und patentgeschützte Medikamente mit einem 100 % Zoll belegen, signalisieren sie eine härtere Haltung gegenüber Arzneimittelimporten, bieten aber gleichzeitig Befreiungen für Unternehmen an, die lokal produzieren. Zusammen mit neuen Abgaben auf Lkw, Schränke und laufenden Untersuchungen zu medizinischen und industriellen Gütern verdeutlichen die jüngsten Maßnahmen eine umfassendere Strategie: Zölle als Hebel nutzen, um Investitionen zurück in die US-Wirtschaft zu zwingen.
Ob dieser Ansatz die heimische Industrie stärkt oder neue Handelskonflikte auslöst, bleibt abzuwarten.