Die Spannungen zwischen dem Weißen Haus und der Federal Reserve sind diese Woche erneut aufgeflammt, nachdem Präsident Donald Trump öffentlich damit gedroht hat, Finanzminister Scott Bessent zu entlassen, falls dieser nicht Fed-Vorsitzenden Jerome Powell zu aggressiveren Zinssenkungen drängt.
Bei seiner Rede auf dem US-saudischen Investitionsforum in Washington am 19. November kritisierte Trump die anhaltend hohen Kreditkosten und behauptete, diese belasteten die Wirtschaft. Er sagte den Teilnehmern unverblümt, dass er Bessent „feuern“ werde, wenn dieser nicht schnell handele, um Powell zu Zinssenkungen zu bewegen.
Reaktion des Weißen Hauses
Die Äußerungen lösten sofort Besorgnis über politische Einmischung in die Geldpolitik aus. Das Weiße Haus versuchte, die Märkte zu beruhigen, wobei Sprecher Desai betonte, die Regierung „vertraue voll und ganz“ auf Bessents Führung im Finanzministerium. Gleichzeitig verriet Trump, dass die Regierung bereits Kandidaten für Powells Nachfolge prüfe, dessen Amtszeit bis Mai 2026 läuft.
Trump schilderte ein Gespräch mit Bessent, in dem der Finanzminister bevorzugt habe, dass Powell seine Amtszeit beende, Trump selbst ihn aber „wirklich früher ersetzen“ wolle. Handelsminister Howard Lutnick wurde in dieser Frage als noch härter beschrieben.
Fed-Protokolle zeigen Uneinigkeit
Die Kontroverse brach nur Stunden vor der Veröffentlichung der Fed-Protokolle vom Oktober-Treffen aus, die zeigten, dass die Offiziellen für eine Senkung der Zinsen um 25 Basispunkte stimmten, wodurch der Zielbereich auf 3,75 %–4 % gesenkt wurde. Die Protokolle offenbarten jedoch tiefe Gräben darüber, ob weitere Senkungen in diesem Jahr gerechtfertigt sind.
- „Viele“ Offizielle argumentierten, dass 2025 keine zusätzlichen Senkungen nötig seien.
- Die Markterwartungen für eine Senkung im Dezember sanken auf 33 %, nachdem sie zuvor im Monat höher gelegen hatten.
- Die Offiziellen nannten einen sich abschwächenden Arbeitsmarkt und begrenzte Fortschritte bei der Inflation als Gründe für ihre Vorsicht.
Trotz der Debatte war sich das Federal Open Market Committee (FOMC) einig, die Bilanzverkleinerung im Dezember 2025 auszusetzen – ein Schritt, der die Liquidität der Finanzmärkte stützen soll.
Trumps anhaltende Kritik
Trump hat Powell wiederholt dafür angegriffen, zu langsam bei Zinssenkungen zu sein. Nur einen Tag zuvor hatte er Reportern im Weißen Haus gesagt, „jemand habe mich daran gehindert, Powell zu feuern“, was die anhaltenden Spannungen zwischen Exekutive und Zentralbank unterstreicht.
Seine jüngsten Kommentare deuten darauf hin, dass die Regierung bereit ist, den Druck auf Powell und Bessent zu erhöhen, was Fragen zur Unabhängigkeit der Fed aufwirft, zu einem Zeitpunkt, an dem geldpolitische Entscheidungen nach wie vor äußerst ausgewogen sind.
Auswirkungen auf die Märkte
Der Konflikt unterstreicht die Unsicherheit, mit der Anleger konfrontiert sind, während sie die nächsten Schritte der Fed abwägen. Während die Liquiditätsunterstützung durch die Aussetzung der Bilanzverkleinerung als positiv gewertet wird, macht der fehlende Konsens bei Zinssenkungen die Märkte anfällig für politische Rhetorik.
Derzeit steht die vorsichtige Haltung der Fed in scharfem Kontrast zu Trumps Forderungen nach schnelleren und tieferen Senkungen, was einen möglichen Machtkampf ankündigt, der bis 2026 in Anleihen- und Aktienmärkten widerhallen könnte.