Amazon ist offiziell in einen Bärenmarkt gerutscht und damit das zweite Mitglied der Mag7, das mehr als 20% von seinem jüngsten Höchststand gefallen ist. Nach acht aufeinanderfolgenden Verlusttagen schloss die Aktie am 12. Dezember bei 199,60 US-Dollar – ein Rückgang von 21,4% gegenüber dem Höchststand – was einen deutlichen Stimmungsumschwung bei Anlegern gegenüber den aggressiven KI-Ausgabenplänen der Big-Tech-Konzerne widerspiegelt.
Der Verkaufsdruck unterstreicht eine breitere Rotation innerhalb der Mag7, bei der Anleger zunehmend zwischen Unternehmen mit disziplinierter Kapitalallokation und jenen unterscheiden, die mit massiven KI-bezogenen Investitionen voranschreiten. Und derzeit steht Amazon auf der falschen Seite dieser Kluft.
Amazons KI-Ausgaben lösen Anlegerprotest aus
Unter den vier großen Hyperscalern – Amazon, Microsoft, Meta und Alphabet – plant Amazon die größten Kapitalausgaben für 2026, wobei die Ausgaben voraussichtlich 200 Milliarden US-Dollar erreichen werden. Insgesamt wird prognostiziert, dass die Gruppe im nächsten Jahr 650 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur pumpen wird.
Diese Zahl ist zum Zankapfel für Anleger geworden, die befürchten, dass das KI-Wettrüsten beginnt, den frühen Phasen einer kapitalintensiven Blase zu ähneln. Während Amazon Web Services (AWS) nach wie vor das Kronjuvel des Unternehmens bleibt, hat das Ausmaß der anstehenden Investitionen Fragen zur kurzfristigen Rentabilität und Stabilität des freien Cashflows aufgeworfen.
Das Ergebnis: Anleger stimmen mit den Füßen ab.
Meta könnte als Nächstes an der Reihe sein
Meta ist nur noch 2,3% von seiner eigenen Bärenmarktschwelle entfernt. Das Unternehmen legte starke Quartalsergebnisse vor – übertraf sowohl bei Umsatz als auch Gewinn die Erwartungen von Wall Street – doch seine steigenden KI-Ausgaben und Margendruck haben die guten Nachrichten überschattet.
Metas Situation spiegelt die von Amazon wider: solide Fundamentaldaten, aber ein Markt, der zunehmend nicht bereit ist, explodierende Kapitalausgaben zu übersehen.
Microsoft: Das erste Mag7-Mitglied, das fiel
Microsoft war die erste Mag7-Aktie, die in diesem Zyklus in einen Bärenmarkt eintrat. Sein Rückgang begann am 29. Januar, dem Tag bevor das Wachstum der Azure-Cloud unter den Anlegererwartungen blieb. Bis zum 12. Dezember waren die Microsoft-Aktien um 25,9% von ihrem jüngsten Höchststand gefallen.
Die engen Verbindungen des Unternehmens zu OpenAI – einst als strategischer Vorteil angesehen – sind zu einer Volatilitätsquelle geworden. Während Anleger die Wirtschaftlichkeit von KI-Partnerschaften neu bewerten, hat sich Microsofts Exposition als zweischneidiges Schwert erwiesen.
Divergenz innerhalb der Mag7: Nicht alle Tech-Giganten sind gleich
Mike Treacy, VP Risk bei Apex Fintech Solutions, sagt, der jüngste Verkaufsdruck verdeutlicht eine wachsende Divergenz innerhalb der Mag7. Seit letzten Herbst ziehen sich Anleger von Unternehmen zurück, die am engsten mit OpenAI-bezogenen Ausgaben verbunden sind – Microsoft, Nvidia und Oracle – und rotieren hin zu Ökosystemen, die als ausgewogener wahrgenommen werden.
Alphabet und Broadcom haben sich als relative sichere Häfen herauskristallisiert.
Alphabet: Eine stärker „integrierte“ KI-Strategie
Die Alphabet-Aktie ist nur 9,2% von ihrem jüngsten Höchststand entfernt und übertrifft damit ihre Peers. Treacy führt diese Widerstandsfähigkeit auf den vertikal integrierten Technologie-Stack von Alphabet zurück, der dazu beiträgt, Bedenken hinsichtlich Überausgaben abzufedern.
Alphabets Ansatz bei KI – den Großteil seiner Infrastruktur intern aufzubauen – hat Anleger beruhigt, dass das Unternehmen effizient skalieren kann, ohne stark auf externe Partner angewiesen zu sein.
Broadcom: Reitet auf der KI-Infrastrukturwelle
Broadcom hat von der starken Nachfrage nach Netzwerkchips und kundenspezifischen Beschleunigern profitiert und positioniert sich damit als wichtiger Lieferant in der KI-Lieferkette. Im Gegensatz zu Hyperscalern finanziert Broadcom nicht massive Rechenzentrumserweiterungen – es verkauft die Werkzeuge dafür.
Nvidias Quartalszahlen: Der nächste große Katalysator
Treacy glaubt, dass der nächste große Wendepunkt für KI-bezogene Aktien am 25. Februar kommen wird, wenn Nvidia seine Quartalszahlen veröffentlicht. Die Ergebnisse werden das bisher klarste Signal liefern, ob die KI-Nachfrage nachlässt oder ob Nvidia weiterhin enorme Ausgaben seiner größten Kunden abschöpft.
Nvidias Bericht wird Anlegern auch helfen zu bestimmen, ob der jüngste Rückgang bei KI-exponierten Aktien:
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Eine vorübergehende Korrektur ist
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Eine tiefgreifendere Neubewertung der KI-Wirtschaftlichkeit darstellt
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Oder die frühen Stadien einer breiteren Rotation aus Big Tech markiert
Angesichts von Nvidias überproportionalem Einfluss auf die KI-Erzählung könnte die Ergebnispräsentation den Ton für den gesamten Sektor vorgeben.
Warum Amazons Rückgang bedeutsam ist
Amazons Eintritt in Bärenmarkt-Territorium ist mehr als ein technischer Meilenstein – es ist ein Stimmungswandel. Jahrelang wurde Amazon als eine der nachhaltigsten Wachstumsgeschichten im Tech-Bereich angesehen, wobei AWS eine stetige Quelle für hochmargige Umsätze bot.
Doch der aktuelle Verkaufsdruck deutet darauf hin, dass Anleger nicht länger bereit sind, Big Tech einen Blankoscheck für KI-Ausgaben auszustellen. Der Markt fordert klarere Renditen, strengere Disziplin und mehr Transparenz hinsichtlich langfristiger Rentabilität.
Amazons Herausforderung besteht darin, auszubalancieren:
- Massive KI-Infrastrukturinvestitionen
- AWS-Wettbewerbsdruck
- Verbesserungen der Einzelhandelsmargen
- Und Aktionärserwartungen an Cashflow-Wachstum
Das Unternehmen hat bereits komplexe Übergänge gemeistert, doch das Ausmaß des KI-Ausbaus macht diesen Moment besonders folgenreich.
Worauf Anleger als Nächstes achten sollten
1. AWS-Wachstumstrends
Wenn AWS beschleunigt, könnte dies Bedenken hinsichtlich der Kapitalausgaben ausgleichen.
2. ROI der KI-Infrastruktur
Anleger wollen Beweise, dass KI-Ausgaben in Umsatz – nicht nur Kapazität – umgesetzt werden.
3. Metas Aktienkursentwicklung
Wenn Meta in einen Bärenmarkt eintritt, könnte dies eine breitere Mag7-Korrektur signalisieren.
4. Nvidias Quartalszahlen am 25. Februar
Dies ist der größte kurzfristige Katalysator für das gesamte KI-Ökosystem.
5. Rotation hin zu Alphabet und Broadcom
Wenn der Trend anhält, könnte dies einen strukturellen Wandel in den Anlegerpräferenzen markieren.
Fazit: Die Mag7-Ära tritt in eine neue Phase ein
Amazons Rutsch in den Bärenmarkt markiert einen Wendepunkt für die Mag7. Die Gruppe, die die Märkte jahrelang antrieb, sieht sich nun einer neuen Realität gegenüber: Anleger belohnen Wachstum nicht mehr um jeden Preis.
KI bleibt eine transformative Technologie, doch der Markt fordert Disziplin, klarere Renditen und nachhaltigere Ausgabenpläne. Während Amazon, Meta und Microsoft unter dem Gewicht ihrer eigenen Ambitionen kämpfen, treten Unternehmen wie Alphabet und Broadcom als relative Gewinner hervor.
Die nächsten Monate – insbesondere Nvidias Quartalszahlen – werden bestimmen, ob dies eine vorübergehende Korrektur oder der Beginn einer tiefergreifenden Umstrukturierung innerhalb von Big Tech ist.