US-Aktien schlossen am Donnerstag niedriger, da sich der eskalierende Konflikt im Nahen Osten in seinen sechsten Tag zog. Die Aussicht auf einen größeren Krieg trieb die Energiepreise in die Höhe und schürte Befürchtungen über erneute Inflationsdruck, die das Tempo künftiger Zinssenkungen der US-Notenbank beeinflussen könnten. Der Dow Jones Industrial Average fiel um 784,67 Punkte oder 1,61% auf 47.954,74. Der S&P 500 verlor 0,56% und schloss bei 6.830,71, während der Nasdaq Composite um 0,26% auf 22.748,99 fiel.
Die Aufmerksamkeit der Märkte konzentrierte sich auf den Energiesektor, da Anleger das Risiko von Lieferunterbrechungen in der Straße von Hormus bewerteten, einer wichtigen Transitroute für Erdöl aus dem Persischen Golf. Der Tankerverkehr hat aufgrund erhöhter Bedrohungen durch Raketen und Drohnen bereits deutlich abgenommen. Diese Versorgungsängste trieben den US-Rohölpreis um 8,5% auf 81 US-Dollar pro Barrel – den höchsten Stand seit Juli 2024 – während der globale Benchmark Brent-Rohöl um 4,9% auf 85,41 US-Dollar pro Barrel stieg. Händler bleiben besorgt, dass eine anhaltende Störung der Energieversorgung die Inflation verfestigen und das globale Wirtschaftswachstum behindern könnte. Marktteilnehmer weisen darauf hin, dass Rohölpreise nahe 100 US-Dollar pro Barrel die allgemeine Marktstimmung erheblich belasten würden.
Der sprunghafte Anstieg der Ölpreise bestimmte weitgehend den breiteren Marktrückgang, obwohl die Sektorleistungen deutlich variierten. Industrie-, Material- und Gesundheitsaktien im S&P 500 fielen alle um mehr als 2%. Die Luftfahrtbranche verzeichnete besonders starke Verluste, wobei Passagierfluggesellschaften um 5,4% fielen und Southwest Airlines 6,9% verlor. Umgekehrt boten Energie- und Technologieaktien wichtige Marktstütze. Chevron legte um 3,9% zu und hob damit den breiteren S&P-500-Energiesektor um 0,6%. Technologieaktien fanden Stärke in KI-Themen, hervorgehoben durch ein Plus von 4,8% bei Broadcom, nachdem der Chiphersteller prognostiziert hatte, dass seine KI-Umsätze im nächsten Jahr 100 Milliarden US-Dollar übersteigen würden.
Wirtschaftsdaten, die früher am Tag veröffentlicht wurden, erschwerten die Aussichten für die Geldpolitik weiter. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe blieben im Vergleich zur Vorwoche unverändert, während die ISM-Daten für Fertigung und Dienstleistungen die Erwartungen übertrafen und auf anhaltende wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit hindeuteten. Diese robusten Indikatoren haben die Erwartungen für den bevorstehenden Arbeitsmarktbericht erhöht und legen nahe, dass die US-Notenbank weniger Spielraum für Senkungen der Kreditkosten haben könnte. Laut LSEG-Daten rechnen die Finanzmärkte derzeit mit etwa 40 Basispunkten Zinssenkungen für das gesamte Jahr 2026, gegenüber 50 Basispunkten, die vor Ausbruch des Konflikts erwartet wurden. Einige Marktstrategen vermuten, dass die potenziellen Auswirkungen der bevorstehenden Arbeitsmarktdaten nach dem jüngsten Aktienverkauf bereits im Markt eingepreist sein könnten.
Finanzinstitute belasteten ebenfalls die breiteren Indizes, wobei fallende Kurse von JPMorgan Chase und Goldman Sachs den Dow nach unten drückten. Die Handelsaktivität war deutlich erhöht, mit 22,3 Milliarden gehandelten Aktien an US-Börsen im Vergleich zum 20-Tage-Durchschnitt von 17,8 Milliarden Aktien. Trotz der geopolitischen Spannungen hat die zugrundeliegende Stärke der Technologieaktien es Wall Street ermöglicht, sowohl europäische als auch asiatische Märkte diese Woche zu übertreffen, wobei der Nasdaq seit Beginn des Konflikts mit einem Plus von 0,36% leicht im positiven Bereich bleibt.