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Software stürzt ab, Chips schießen in die Höhe: Historische Kluft

Software-Aktien erreichen historisches Tief im Vergleich zu Chipherstellern. Wir analysieren die "5-Sigma"-Divergenz, Salesforces Absturz und warum DataTrek vor dem Kauf von Kursrückgängen warnt.

Cassandra Hayes
Cassandra Hayes
Lead Technology Sector Analyst
Software stürzt ab, Chips schießen in die Höhe: Historische Kluft

Wenn Sie ein Technologie-Investor sind, erzählt Ihr Portfolio derzeit eine Geschichte zweier Städte. In einer Stadt – nennen wir sie "Silicon Valley Hardware" – tobt die Party, angeheizt durch unersättliche Nachfrage nach den Chips, die künstliche Intelligenz antreiben. In der anderen Stadt – "SaaS Valley" – flackern die Lichter, und Investoren rennen zu den Ausgängen.

Am Dienstag wurde diese Divergenz zu einer ausgewachsenen Abwärtsbewegung. Software-Aktien kapitulierten in einem Verkauf, wie er seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen wurde, und vergrößerten eine Performance-Kluft, die Analysten nun als "statistisch beispiellos" bezeichnen.

Während die breiteren Märkte auf die Fed und die Inflation fixiert sind, ist die eigentliche Geschichte die heftige Rotation, die unter der Haube des Technologiesektors stattfindet. Der iShares Extended Technology – Software ETF (IGV) stürzte am Dienstag um 5,7 % ab und markierte damit seine schlechteste Tagesperformance seit dem 4. April 2025.

Das ist nicht nur ein schlechter Tag; es ist ein struktureller Bruch. Der Markt bewertet effektiv die Zukunft des Software-Geschäftsmodells in Echtzeit neu, und das Urteil ist brutal.

Das "Fünf-Sigma"-Ereignis

Um das Ausmaß dieser Spaltung zu verstehen, muss man über die täglichen Kursbewegungen hinausschauen. Jessica Rabe, Mitbegründerin von DataTrek Research, analysierte die Zahlen zu den 100-Tage-Rolling-Renditen des Software-Sektors (IGV) im Vergleich zum Halbleitersektor (repräsentiert durch den VanEck Semiconductor ETF, SMH).

Ihre Erkenntnisse? Wir befinden uns in unerforschten Gewässern.

Chip-Aktien übertreffen Software-Aktien derzeit um etwa 5 Standardabweichungen. In statistischer Hinsicht ist ein 5-Sigma-Ereignis etwas, das – theoretisch – fast nie passieren sollte. Es deutet darauf hin, dass die Entkopplung zwischen den "Erbauern" der KI (Chips) und den "Verkäufern" von Apps (Software) ein extremes Ausmaß erreicht hat, das historischen Normen widerspricht.

"Beispiellos", bemerkte Rabe in ihrem Bericht. Und sie hat recht. Normalerweise bewegen sich Technologieaktien in einem korrelierten Paket. Wenn der Nasdaq steigt, steigen Software und Chips gemeinsam. Heute bewegen sie sich gegenläufig, was signalisiert, dass Investoren KI nicht als eine Flut sehen, die alle Boote anhebt, sondern als einen Hai im Wasser für traditionelle Softwareunternehmen.

Die Verlierer: Salesforce und IBM

Der Verkaufsdruck am Dienstag war wahllos, aber die Schwergewichte traf es am härtesten.

Salesforce (CRM), einst der unangreifbare König der Abonnementwirtschaft, befand sich im freien Fall. Die Aktie stürzte bis zum Handelsschluss um 6,8 % ab, nachdem sie ein Tages-Tief von -8,1 % erreicht hatte. Dies markierte den schlechtesten Tag für CRM seit Mai 2023.

Die Erzählung um Salesforce verändert sich rapide. Ein Jahrzehnt lang war das "Pro-Arbeitsplatz"-Abonnementmodell der heilige Gral der Investitionen. Doch da KI-Agenten versprechen, Aufgaben zu automatisieren, die zuvor menschliche Mitarbeiter erforderten, fürchtet der Markt, dass die "Arbeitsplatzanzahlen" in Unternehmen schrumpfen werden. Weniger menschliche Arbeitskräfte bedeuten weniger Salesforce-Lizenzen.

IBM (IBM) schnitt nicht besser ab und fiel um 6,49 % (und an den Tiefstständen um fast 9,4 %). Trotz der aggressiven Vermarktung ihrer eigenen KI-Plattform Watsonx durch "Big Blue" behandelt der Markt etablierte Technologienamen eher als potenzielle Opfer denn als Nutznießer des neuen Paradigmas.

Die "Mean-Reversion"-Falle

Wenn ein Sektor so stark unter Druck gerät, setzt der konträre Instinkt ein. Die klassische Handelsregel lautet: "Kaufe das Blut." Wenn ein Sektor einen anderen um 16 Prozentpunkte hinter sich lässt – wie 2024 vor einer scharfen Umkehr geschehen –, ist dies normalerweise ein Signal, Kapital zurück in den Nachzügler zu rotieren.

Aber Rabe warnt, dass diesmal wirklich alles anders sein könnte.

"Historische Erfahrung zeigt, dass Software-Aktien im Vergleich zu Chip-Aktien stark überverkauft sind", schrieb Rabe. "Wir glauben jedoch, dass eine so seltene Unterperformance strukturelle Gegenwinde in ihren Fundamentaldaten widerspiegelt."

Auf Deutsch: Das ist kein vorübergehender Rückgang; es ist eine Neubewertung des Risikos.

Der strukturelle Gegenwind ist das Ende der "Preissetzungsmacht". Jahrelang konnten Softwareunternehmen Preise erhöhen und Funktionen nachverkaufen, weil Kunden keine Wahl hatten. Jetzt hat sich die Landschaft verändert.

Rabe erklärt: "Investoren bevorzugten früher Softwareunternehmen wegen ihrer stabilen abonnementbasierten wiederkehrenden Einnahmen. Aber jetzt, mit mehr Auswahl und reduzierter Sicherheit zukünftiger Einnahmen, haben Kunden weniger Anreiz zu upgraden."

Wenn ein Chief Information Officer (CIO) glaubt, dass ein 20-Dollar-pro-Monat-KI-Tool 50 % einer App programmieren kann, wird er weniger geneigt sein, einen Multi-Millionen-Dollar-Vertrag für ein aufgeblähtes Legacy-Softwarepaket zu unterzeichnen. Diese Unsicherheit ist Gift für Softwarebewertungen.

Der Momentum-Trade: Warum Chips immer noch König sind

Auf der anderen Seite dieses Trades steht die Halbleiterindustrie. Obwohl Chip-Aktien am Dienstag leicht zurückgingen, bleiben sie die unbestrittenen Marktführer.

"Momentum ist eine mächtige Kraft auf den Kapitalmärkten", erklärte Rabe. Und derzeit haben Chips alles:

  1. Preismomentum: Die Charts bewegen sich nach oben und rechts.

  2. Fundamentale Unterstützung: Die Gewinne wachsen tatsächlich, angetrieben durch greifbare Hardware-Verkäufe statt projizierter Software-Adaption.

Investoren stimmen mit ihren Geldbeuteln ab. Sie zahlen lieber einen Aufschlag für die "Spitzhacken und Schaufeln" des KI-Goldrauschs (Chips), als darauf zu wetten, welche Bergleute (Softwareunternehmen) die Disruption überleben werden.

Was kommt als Nächstes?

Ist der Software-Sektor also nicht investierbar? Nicht unbedingt. Aber die Tage, in denen man blind den "IGV"-ETF kaufte und 20 % jährliche Renditen erwartete, sind vorbei.

Rabe schlägt vor, dass Software-Aktien zwar für einen konträren Spiel beobachtenswert sind, die "Rückenwinde in der Chipindustrie jedoch unbestreitbar sind". Die Kluft zwischen Hardware und Software könnte sich irgendwann verringern, aber nicht, weil Software plötzlich wieder der Liebling der Wall Street wird – es wird wahrscheinlich daran liegen, dass Chip-Aktien irgendwann eine Pause einlegen.

Derzeit hat der Markt gesprochen: Hardware ist der neue sichere Hafen, und Software ist das neue Risiko-Asset. Gehen Sie mit Vorsicht vor.

Haftungsausschluss: Daten und Insights von 13radar.com dienen nur zu Informationszwecken und stellen keine Finanz-, Anlage- oder Handelsberatung dar. Führen Sie immer Ihre eigene Recherche durch.

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