Michael Burry – der durch The Big Short unsterblich gewordene Investor – sorgt erneut für Aufsehen an der Wall Street. Diesmal shorten er weder den Immobilienmarkt noch wettet er gegen die Tech-Euphorie. Stattdessen setzt er auf eine konträre, langfristige These: eine Wiederbelebung des venezolanischen Schweröls und einen mehrjährigen Boom für US-Raffinerien und Ölfelddienstleister.
Burrys langjährige Position in Valero Energy (VLO), die er erstmals 2020 aufbaute, ist wieder in den Fokus gerückt, nachdem geopolitische Entwicklungen Venezuelas Ölsektor zurück ins Rampenlicht katapultiert haben. Laut CNBC bekräftigte Burry in einem Substack-Beitrag, dass seine Überzeugung für Valero nur noch stärker geworden sei, da die USA eine tiefere Beteiligung am Wiederaufbau der venezolanischen Ölindustrie signalisieren.
Seine These ist einfach: Die Raffinerien an der Golfküste wurden für venezolanisches Schweröl gebaut, und die Rückkehr dieses Rohstoffs – nach Jahren von Sanktionen und Lieferunterbrechungen – könnte die Raffineriemargen dramatisch verbessern.
Warum venezolanisches Rohöl wichtig ist
Venezuela verfügt über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt, aber sein Rohöl ist dickflüssig, schwefelhaltig und schwer zu verarbeiten. Nur eine Handvoll Raffinerien weltweit ist effizient dafür ausgestattet. Viele davon befinden sich entlang der US-Golfküste.
Wie Burry anmerkt, haben diese Anlagen aufgrund des Zusammenbruchs der venezolanischen Exporte jahrelang mit „suboptimalen Rohstoffen“ gearbeitet. Die Rückkehr von Schweröl – selbst schrittweise – könnte:
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Die Raffinerieauslastung verbessern
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Die Margen für Diesel, Kerosin und Asphalt steigern
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Die Abhängigkeit von teureren Alternativmischungen verringern
Deshalb ist Burry überzeugt, dass Valero einzigartig positioniert ist, um davon zu profitieren. Und die Wall Street scheint zuzustimmen: Analysten hoben Valero als einen der größten Profiteure hervor, sollte das venezolanische Angebot steigen, und die Aktie sprang nach den jüngsten geopolitischen Entwicklungen um etwa 10 %.
Burrys Raffinerie-Auswahl: Valero, PBF und HF Sinclair
Während Valero seine Flaggschiff-Position ist, sieht Burry auch Aufwärtspotenzial für PBF Energy (PBF) und HF Sinclair (DINO). Diese mittelgroßen Raffinerien, obwohl weniger spezialisiert als Valero, könnten indirekt von einer verbesserten Verfügbarkeit von Schweröl und einer günstigeren Raffinerieauslastung profitieren.
Laut Moneycontrol erwartet Burry, dass alle drei Raffinerien von einer strukturellen Verschiebung der Rohstoffqualität profitieren, sobald venezolanische Barrel wieder auf den Markt kommen.
Der geopolitische Katalysator: Die USA rücken in Venezuela vor
Der Katalysator hinter Burrys erneuter Überzeugung ist der dramatische politische Wandel in Venezuela. Nach der Absetzung von Nicolás Maduro und dem öffentlichen Aufruf von Präsident Trump an US-Ölkonzerne, in das Land zu investieren, scheinen die USA bereit, eine aktivere Rolle bei der Wiederbelebung der venezolanischen Ölinfrastruktur zu übernehmen.
Dies könnte freisetzen:
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Neue Upstream-Investitionen
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Infrastruktur-Wiederaufbau
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Langfristige Liefervereinbarungen
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Eine schrittweise Normalisierung der Exporte
Burry glaubt, dass dies der Beginn einer mehrjährigen Neuausrichtung ist – kein kurzfristiger Trade.
Über die Raffination hinaus: Ölfelddienstleister könnten die größten Gewinner sein
Burrys These geht über Raffinerien hinaus. Venezuelas Ölinfrastruktur hat unter jahrzehntelanger Unterinvestition gelitten, was Pipelines, Raffinerien und Exportterminals in einem schweren Zustand zurückließ. Ihr Wiederaufbau wird massives Kapital und technisches Know-how erfordern.
Hier kommen US-Ölfelddienstleister ins Spiel.
Laut Benzinga gab Burry bekannt, dass er Halliburton (HAL) hält und auf Schlumberger (SLB) und Baker Hughes (BKR) setzt – drei Unternehmen, von denen er erwartet, dass sie eine zentrale Rolle bei Venezuelas Wiederaufbau spielen werden.
Er argumentiert, dass:
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US-Auftragnehmer letztendlich den Großteil der Reparaturarbeiten übernehmen werden
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Chevron bereits eine lange operative Geschichte in Venezuela hat
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ExxonMobil seit Jahrzehnten um venezolanische Vermögenswerte prozessiert
Wenn die USA erheblichen Einfluss auf Venezuelas Ölsektor gewinnen, könnten diese Unternehmen einen Anstieg langfristiger Verträge verzeichnen.
Warum Burry Halliburton mag (und LEAPs)
Burry verriet, dass er nicht nur Halliburton-Aktien hält, sondern möglicherweise weitere kauft – oder sogar LEAPs erwirbt, langfristige Call-Optionen, die es Anlegern ermöglichen, mit begrenztem Kapitaleinsatz auf mehrjährige Aufwärtsbewegungen zu setzen.
Dies signalisiert:
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Hohe Überzeugung
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Den Glauben an einen mehrjährigen Infrastrukturzyklus
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Vertrauen, dass US-Auftragnehmer den Wiederaufbau dominieren werden
Halliburton, Schlumberger und Baker Hughes profitieren alle von der Pipeline-Sanierung, Raffineriemodernisierung und Upstream-Entwicklung.
Wie lange wird eine Erholung des venezolanischen Öls dauern?
Trotz seines Optimismus ist Burry realistisch in Bezug auf den Zeitplan. Er warnt, dass eine vollständige Erholung der venezolanischen Rohölexporte Jahre dauern könnte, angesichts des Ausmaßes des Infrastrukturverfalls und der beteiligten politischen Komplexität.
Dies ist kein kurzfristiger Trade – es ist eine strukturelle, mehrjährige Wette.
Warum diese These an der Wall Street Anklang findet
Mehrere Analysten teilen Burrys Ansicht. CNBC berichtet, dass die Wall Street Valero zunehmend als einen der größten Profiteure einer möglichen venezolanischen Erholung hervorhebt. Die Logik ist überzeugend:
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Schweröl verbessert die Raffineriewirtschaftlichkeit
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US-Raffinerien verfügen über unübertroffene Verarbeitungskapazitäten
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Der Infrastruktur-Wiederaufbau schafft eine zweite Welle von Investitionsmöglichkeiten
In einem von KI-Narrativen dominierten Markt sticht Burrys These als klassisches konträres Makro-Energie-Play hervor.
Erkenntnisse für Anleger
1. Valero bleibt die reinste Wette Es verfügt über die größte Kapazität zur Verarbeitung von venezolanischem Schweröl und profitiert direkt von einer verbesserten Rohstoffqualität.
2. PBF und HF Sinclair bieten gehebelte Aufwärtschancen Kleinere Raffinerien könnten eine Margenausweitung erleben, sobald die Verfügbarkeit von Schweröl steigt.
3. Ölfelddienstleister könnten die größten langfristigen Gewinner sein Halliburton, Schlumberger und Baker Hughes könnten mehrjährige Verträge im Zusammenhang mit Venezuelas Wiederaufbau sichern.
4. Der Zeitplan ist lang – aber auch die Chance Dies ist eine mehrjährige geopolitische und industrielle Neuausrichtung, kein schneller Trade.
Fazit
Michael Burry hat eine Karriere damit aufgebaut, falsch bewertete Chancen lange vor dem Markt zu erkennen. Seine Wette auf venezolanisches Rohöl – und die US-Raffinerien und Auftragnehmer, die davon profitieren könnten – spiegelt ein tiefes Verständnis für Energieinfrastruktur, Geopolitik und langfristige Kapitalzyklen wider.
Wenn Venezuelas Ölsektor sich tatsächlich für US-Investitionen öffnet, könnte Burrys ruhige, jahrelange Positionierung in Valero und Halliburton sich als einer seiner weitsichtigsten Calls erweisen.