Berkshire Hathaway (BRK.B) hat eine Erholung hingelegt, genau zu dem Zeitpunkt, an dem sich Warren Buffetts legendäre 60-jährige Karriere ihrem letzten Kapitel nähert. Am Dienstag (21.) zeigte die Aktie ein „Golden Cross“ – ein bullisches technisches Signal, das auftritt, wenn der 50-Tage-Durchschnitt über den 200-Tage-Durchschnitt steigt. Für Buffett, der oft als „Aktiengott“ bezeichnet wird, wirkt der Zeitpunkt fast poetisch: ein Wall-Street-Abschied, verpackt in Chartmustern.
Ein technischer Meilenstein
Das Golden Cross ist das erste von Berkshire seit fast drei Jahren. Am Dienstag schloss der 50-Tage-Durchschnitt bei 493,19 US-Dollar, knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt von 493,18 US-Dollar. Die Aktie selbst fiel um 0,6 % auf 491,29 US-Dollar, liegt damit aber immer noch deutlich über dem Sieben-Monats-Tief von 459,11 US-Dollar im August, jedoch unter dem Allzeithoch von 539,80 US-Dollar aus dem Mai.
Obwohl Händler wissen, dass Durchschnittskreuzungen keine perfekten Timing-Werkzeuge sind – sie werden oft vom Markt antizipiert –, legt die Historie nahe, dass sie bedeutsam sind. In den letzten 25 Jahren verzeichnete Berkshire 13 Golden Crosses, mit einer durchschnittlichen Wertsteigerung von 33,5 % bis zum nächsten „Death Cross“. Diese Rallys dauerten von wenigen Tagen bis zu mehr als zwei Jahren.
Vom Death Cross zur Rally
Das letzte „Death Cross“ für Berkshire trat im Dezember 2022 auf. Seitdem ist die Aktie um fast 78 % gestiegen und erreichte Anfang dieses Jahres Rekordhöhen. Ein ähnliches Muster spielte sich nach dem Death Cross im September 2020 ab, das einer 65-prozentigen Rally bis März 2022 vorausging.
Für langfristige Investoren unterstreichen diese Signale, was Buffett selbst seit Jahrzehnten predigt: Geduld zahlt sich aus.
Buffetts letzte Züge
Das Golden Cross tritt genau 10 Wochen vor Buffetts Ruhestand auf und markiert das Ende einer sechs Jahrzehnte währenden Ära, die Berkshire zu einem 1,06-Billionen-Dollar-Riesen gemacht hat. Buffett besitzt immer noch etwa 37 % der Stammaktien des Unternehmens, was ihn auch während der Vorbereitungen zur Übergabe der Zügel an Greg Abel eng mit den Aktionären verbindet.
Anfang dieses Monats kündigte Berkshire die Übernahme von OxyChem für 9,7 Milliarden US-Dollar an, der Chemiesparte von Occidental Petroleum. Es ist der größte Deal des Unternehmens seit fast drei Jahren und eine Erinnerung daran, dass Buffett auch in seinen letzten Monaten nicht davor zurückschreckt, große Schritte zu gehen.
Gleichzeitig hat Berkshire weiterhin Bargeld gehortet, was Buffetts Ansicht widerspiegelt, dass die Bewertungen am gesamten Markt weiterhin überzogen sind. Doch während Berkshire seit Jahresbeginn um 8,4 % gestiegen ist, liegt es hinter der 14,5-prozentigen Wertsteigerung des S&P 500 zurück, was einige Investoren fragen lässt, ob das Golden Cross den Beginn einer Aufholjagd markieren könnte.
Das Fazit
Für Buffett geht es beim Golden Cross weniger um Technik und mehr um Symbolik. Es unterstreicht die Beständigkeit des Berkshire-Modells – stetige Übernahmen, disziplinierte Cash-Verwaltung und eine langfristige Denkweise. Ob die Aktie ihrem historischen Muster von Kursgewinnen nach einem Kreuz folgt, bleibt abzuwarten, doch eines ist klar: Die Wall Street bereitet sich darauf vor, sich von ihrem berühmtesten Value-Investor mit einem bullischen Nicken zu verabschieden.