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Market Trends

Hat die Wall Street Bitcoin zum Absturz gebracht? Eine Analyse der Q4-13F von Jane Street

Immer wenn Bitcoin einen heftigen Rücksetzer erlebt, beginnt die Krypto-Community unweigerlich eine Hexenjagd auf die "unsichtbare Hand", die den Markt manipuliert.

13Radar Research
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Hat die Wall Street Bitcoin zum Absturz gebracht? Eine Analyse der Q4-13F von Jane Street

Immer wenn Bitcoin einen heftigen Rücksetzer erlebt, beginnt die Krypto-Community unweigerlich eine Hexenjagd auf die "unsichtbare Hand", die den Markt manipuliert. Top-Quant-Handelshäuser und Market-Maker der Wall Street – insbesondere Giganten wie die Jane Street Group – stehen dabei oft als Hauptverdächtige im Fokus und werden beschuldigt, den Markt böswillig leerzuverkaufen, um Kleinanleger auszustoppen.

Doch stützen die Daten diese Erzählung tatsächlich?

Um emotionale Verschwörungstheorien von der finanziellen Realität zu trennen, müssen wir uns die Fakten ansehen. Die kürzlich veröffentlichten, von der SEC vorgeschriebenen Q4-2025-13F-Einreichungen der Jane Street Group geben uns einen faszinierenden Einblick in das Bitcoin-bezogene Portfolio von Jane Street. Eine Analyse dieser Zahlen spricht die Gruppe nicht nur von den Vorwürfen des "Marktzerstörers" frei, sondern bietet auch eine Meisterklasse darin, wie institutionelle Wale im Kryptobereich tatsächlich agieren.

Lassen Sie uns tief in die Daten eintauchen, von den oberflächlichen Zahlen bis zur komplexen Handelslogik dahinter.

Ebene 1: Das Spot-Fundament – Ein Milliarden-Dollar-"Lagerbestand"

Es gibt ein weit verbreitetes Missverständnis, dass Quant-Giganten nur durch Leerverkäufe Geld verdienen. Ein kurzer Blick auf die "Aktien/ETF"-Spot-Positionen von Jane Street offenbart jedoch eine völlig andere Realität: Sie sitzen auf einem riesigen Berg an Long-Exposure gegenüber Bitcoin.

  • Horten der Schwergewichte: Den Q4-Daten zufolge stockte Jane Street ihre Spot-Bitcoin-ETF-Positionen aggressiv auf. Sie halten schwindelerregende 20,32 Millionen Anteile am IBIT von BlackRock (ein Plus von 53,78 % gegenüber dem Vorquartal), was den Gesamtwert dieser einzelnen Position auf über 1,01 Milliarden US-Dollar bringt.

  • Ein breites Netz auswerfen: Sie blieben nicht bei BlackRock stehen. Sie halten auch große Positionen im FBTC von Fidelity (368,65 Millionen US-Dollar, plus 104,94 %), im Bitcoin Mini Trust ETF von Grayscale (55,13 Millionen US-Dollar, plus unglaubliche 2328 %) und im HODL von VanEck.

Die institutionelle Logik:

Wenn Jane Streets Hauptziel darin bestünde, den Bitcoin-Preis zum Absturz zu bringen, würden sie nicht über eine Milliarde Dollar in Spot-ETFs halten. Das wäre das Äquivalent dazu, ihr eigenes Lagerhaus anzuzünden.

Als einer der weltweit größten Market-Maker besteht das Kerngeschäft von Jane Street darin, Liquidität bereitzustellen. Man kann sie sich als den größten Großhändler auf dem Markt vorstellen. Um sicherzustellen, dass Klein- und institutionelle Anleger zu jeder Sekunde sofort Trades ausführen können, muss Jane Street einen riesigen Lagerbestand an Spot-Assets halten. Diese eine Milliarde Dollar in IBIT ist keine spekulative Hausse-Wette; es ist der grundlegende Lagerbestand, der erforderlich ist, um den Markt am Laufen zu halten.

Ebene 2: Das Options-Labyrinth – "Delta-Neutral" und das Volatilitätsspiel

Die wahre Panik bricht für gewöhnlich aus, wenn Kleinanleger den "Optionen"-Tab der 13F betrachten. Das schiere Volumen und die Komplexität hier unterstreichen den wahren technologischen Vorsprung eines Quant-Giganten.

Schauen wir uns ihre größte Position, IBIT, auf dem Optionsmarkt an. Jane Street zeigt eine massive "zweiseitige" Position:

  • Call-Optionen (Long-Exposure): Sie halten Calls, die 40,08 Millionen Anteile repräsentieren, mit einem Nominalwert von 1,99 Milliarden US-Dollar.

  • Put-Optionen (Short-/Abwärts-Exposure): Gleichzeitig halten sie Puts, die 31,68 Millionen Anteile repräsentieren, mit einem Wert von 1,57 Milliarden US-Dollar.

Sie spiegeln diesen zweiseitigen Ansatz auch bei ProShares-ETFs (SBIT, BITO) und sogar Bitcoin-Mining-Aktien (wie dem CoinShares Bitcoin Mining ETF) wider.

Die institutionelle Logik: Für das ungeübte Auge sieht das so aus, als würden sie massiv shorten (über Puts). In der quantitativen Finanzwelt ist dies als Aufbau eines Delta-neutralen Portfolios bekannt.

  1. Versicherungen verkaufen: Wenn der Markt ängstlich wird, stürzen sich Fonds und Kleinanleger darauf, Put-Optionen zu kaufen, um sich gegen Kursverluste abzusichern. Jemand muss ihnen diese Puts verkaufen. Jane Street agiert als die Versicherungsgesellschaft. Durch den Verkauf einer Put-Option übernimmt Jane Street das Abwärtsrisiko. Um dieses Risiko zu neutralisieren, kaufen ihre Algorithmen sofort das zugrundeliegende Asset (Spot-ETFs) oder entsprechende Call-Optionen.

  2. Auf Volatilität setzen: Das Halten großer Mengen sowohl von Calls als auch Puts schafft eine Strategie, die einem "Straddle" oder "Strangle" ähnelt. Jane Street ist es egal, ob Bitcoin morgen auf 100.000 oder 50.000 US-Dollar steigt oder fällt. Sie setzen auf extreme Volatilität. Solange der Preis heftig schwankt, steigen die implizite Volatilität (IV) und der Zeitwert der Optionen, was es ihnen ermöglicht, durch hochfrequentes dynamisches Hedging Gewinne zu ernten.

Ebene 3: Das verborgene Alpha – Strukturierte Produkte und Arbitrage

Wenn die Spot-Positionen der Lagerbestand und die Optionen die Absicherung sind, dann offenbaren die unglaublich komplexen ETFs am Ende ihrer Liste ihre wahre Profitmaschine: Arbitrage.

Beachten Sie diese hochspezifischen Produkte in ihrem Portfolio:

  • Calamos Bitcoin 80/90 Series Structured Alt Protection ETF

  • YieldMax Bitcoin Option Income Strategy ETF (YBIT)

  • Grayscale Bitcoin Covered Call ETF

Die institutionelle Logik: Dies sind strukturierte Ertragsprodukte. Ein "Covered Call"-ETF erzeugt beispielsweise hohe Erträge, indem er Bitcoin hält und ständig aus dem Geld liegende Call-Optionen dagegen verkauft.

Jane Street investiert massiv Kapital in diese Derivate über verschiedene Laufzeitmonate (April, Juli, Oktober) aus einem einfachen Grund: die Jagd auf Mikro-Ineffizienzen.

Verschiedene ETF-Emittenten erleben gelegentlich leichte Auf- oder Abschläge bei der Preisbildung dieser komplexen Produkte. Jane Streets Supercomputer können diese Diskrepanzen in Millisekunden erkennen. Sie kaufen den unterbewerteten strukturierten ETF, während sie gleichzeitig das exakte Äquivalent in Spot- oder Standard-ETFs shorten und so einen praktisch risikofreien Gewinn sichern. Sie versuchen nicht, den Markttrend vorherzusagen; sie nutzen einfach die unvollkommenen Mechanismen des Finanzsystems aus.

Das Urteil: Bringen sie den Markt zum Absturz?

Ein Abgleich der Daten aus ihrer Q4-13F-Einreichung führt zu einem eindeutigen Schluss: Top-Market-Maker wie Jane Street für Bitcoin-Marktabstürze verantwortlich zu machen, ist ein grundlegendes Missverständnis darüber, wie moderne Finanzen funktionieren.

  1. Kein Motiv: Mit über einer Milliarde Dollar an netto-long Spot-Exposure und perfekt abgesicherten Optionsportfolios sind ihre Konten richtungsneutral. Sie haben keinen finanziellen Anreiz, einen Absturz zu orchestrieren.

  2. Passiver vs. aktiver Verkauf: Wenn makroökonomische Faktoren einen echten Marktverkauf auslösen, verkaufen Market-Maker tatsächlich. Aber das ist eine mechanische Reaktion. Um ihren "Delta-neutralen" Status aufrechtzuerhalten (ein Prozess namens Gamma-Hedging), sind ihre Algorithmen gezwungen, Spot-Assets zu verkaufen, wenn der Preis fällt. Während dieser passive Verkauf einen Abwärtstrend beschleunigen kann, ist er ein Nebenprodukt des Risikomanagements, nicht die Ursache des Absturzes.

  3. Der 13F-Blindspot: Es ist entscheidend, sich daran zu erinnern, dass eine 13F lediglich eine statische Momentaufnahme am letzten Tag des Quartals (31. Dezember 2025) ist. Sie enthält keine OTC-Geschäfte (Over-the-Counter) oder direkten Leerverkaufspositionen, was bedeutet, dass wir nur die Spitze des Eisbergs sehen.

Die Zulassung von Bitcoin-ETFs bedeutete, dass Krypto endlich in die komplexe Maschinerie der Wall Street eingebunden wurde. Angesichts von Akteuren wie Jane Street – ausgestattet mit algorithmischer Arbitrage, strukturierten Produkten und milliardenschweren Absicherungsstrategien – müssen Kleinanleger die "Manipulations"-Denkweise ablegen.

Zu verstehen, wie diese Market-Maker operieren, ist der erste Schritt, um in einem Markt zu überleben und letztendlich zu florieren, der von institutioneller Volatilität geprägt ist.

Haftungsausschluss: Daten und Insights von 13radar.com dienen nur zu Informationszwecken und stellen keine Finanz-, Anlage- oder Handelsberatung dar. Führen Sie immer Ihre eigene Recherche durch.

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