Quantencomputing hat offiziell den Übergang von einer Science-Fiction-Kuriosität zu einer der am aufmerksamsten beobachteten Zukunftstechnologien an der Wall Street vollzogen. Was einst ein theoretisches Großprojekt war, rückt nun in greifbare kommerzielle Nähe – mit Durchbrüchen, die schneller kommen, als viele Analysten erwartet hatten. Die Bank of America bezeichnete Quantencomputing sogar als „den größten technologischen Durchbruch seit der Entdeckung des Feuers“ – eine kühne Aussage, die die wachsende Überzeugung hinter diesem Sektor widerspiegelt.
Die Anziehungskraft ist einfach erklärt: Quantencomputer können riesige, komplexe Datensätze gleichzeitig verarbeiten – etwas, das herkömmliche Computer schlicht nicht können. Analysten von Jefferies vergleichen den Unterschied mit der Suche in einer Bibliothek: Klassische Computer blättern Buch für Buch durch, während Quantensysteme „alle Bücher auf einmal lesen“ können. Diese Fähigkeit könnte Branchen von der Arzneimittelforschung über die Logistik bis hin zur Finanzmodellierung grundlegend verändern.
Und Investoren nehmen Notiz. Reine Quantencomputing-Aktien sind im Jahr 2025 durch die Decke gegangen, einige Titel verzeichneten dreistellige Gewinne. Der Defiance Quantum ETF (QTUM) ist seit Jahresbeginn um 38 % gestiegen und hat damit den Anstieg des S&P 500 von 17 % deutlich übertroffen.
Im Folgenden beleuchten wir die vier Unternehmen, die die größte Aufmerksamkeit von Wall Street auf sich ziehen.
1. D‑Wave Quantum (QBTS‑US): Der Annealing-Spezialist mit großem Schwung
D‑Wave war 2025 einer der herausragenden Performer. Die Aktie des Unternehmens ist in diesem Jahr um mehr als 200 % gestiegen und damit die stärkste unter den reinen Quantenwerten. Im Gegensatz zu den meisten Wettbewerbern nutzt D‑Wave Quantum Annealing, einen spezialisierten Ansatz, der sich gut für Optimierungsprobleme eignet – denken Sie an Lieferketten, Terminplanung und Logistik.
Jüngste Katalysatoren sind:
- Ein Umsatzsprung von 42 % im Q2, angetrieben durch seine Advantage2-Quantenprozessoreinheit
- Neue Unternehmensverträge mit GE Vernova, Nikon und NTT DOCOMO
- Eine geplante Präsentation auf der CES 2026, die im Dezember einen zweistelligen Rallye-Schub auslöste
Jefferies nahm die Aktie mit einer „Kaufen“-Einstufung und einem Kursziel von 45 US-Dollar auf. Das Unternehmen hob D‑Waves starke Kundengewinnung und überschaubare Verschuldung hervor – etwa 32 Millionen US-Dollar gegenüber 836 Millionen US-Dollar an Barreserven.
Dennoch warnen Analysten, dass D‑Waves schneller Aufstieg 2026 zu erhöhter Volatilität führen könnte.
2. IonQ (IONQ‑US): Der kapitalstarke Gate-basierte Marktführer
IonQ ist das etablierteste der reinen Quantencomputing-Unternehmen und nutzt ein Gate-basiertes System mit gefangenen Ionen – die Architektur, von der die meisten Forscher glauben, dass sie letztendlich zu fehlertoleranten Quantencomputern skaliert werden kann.
IonQs Finanzlage ist eine seiner größten Stärken:
- Keine Schulden
- Ein massives 3,5 Milliarden US-Dollar an Bargeld und Investitionen nach einer Kapitalerhöhung von 2 Milliarden US-Dollar
- Laut Wedbush wird der Umsatz 2025 voraussichtlich mehr als verdoppelt
Jefferies gab IonQ eine „Kaufen“-Einstufung mit einem Kursziel von 100 US-Dollar und verwies auf seinen langen Atem für Forschung & Entwicklung sowie Kommerzialisierung. Mizuho stufte die Aktie ebenfalls als „Outperform“ ein.
Die Aktienperformance von IonQ war moderater als die von D‑Wave – mit einem Anstieg von etwa 10 % in diesem Jahr – doch Analysten sehen darin eine stabilere Langzeitwette.
3. Rigetti Computing (RGTI‑US): Hohes Potenzial, hohe Abhängigkeit von Staatsgeldern
Rigetti nutzt supraleitende Qubits, denselben Ansatz, den auch Google und IBM verfolgen. Das Unternehmen hat einige der dramatischsten Kursschwankungen in der Branche erlebt – zeitweise stieg die Aktie über drei Jahre um mehr als 3.200 %, bevor sie Ende 2025 einen scharfen Rücksetzer erlebte.
Jefferies nahm die Aktie mit einer „Halten“-Einstufung auf und nannte Bedenken hinsichtlich:
- Starker Abhängigkeit von Staatsaufträgen (fast 90 % des Umsatzes 2024)
- Volatiler Auftragslage, die an Förderzyklen der Bundesregierung gekoppelt ist
- Der Notwendigkeit einer klareren kommerziellen Traktion
Dennoch ist Rigettis Bilanz solide. Das Unternehmen hat keine Schulden und verfügt nach jüngsten Kapitalerhöhungen über mehr als 570 Millionen US-Dollar an Bargeld.
Mizuho, deutlich optimistischer, stufte die Aktie als „Outperform“ ein.
Rigetti bleibt eine Hochrisiko-, Hochchancen-Wette – eine, die institutionelle Investoren im Laufe des Jahres 2025 leise aufgebaut haben.
4. IBM (IBM‑US): Der Unternehmensriese mit Quantenambitionen
Während reine Quantencomputing-Unternehmen die Schlagzeilen dominieren, bleibt IBM einer der einflussreichsten Akteure auf diesem Gebiet. Das Unternehmen hat bedeutende Fortschritte bei Fehlerkorrektur und skalierbarem Chipdesign veröffentlicht und strebt die Einführung eines fehlertoleranten Quantensupercomputers später in diesem Jahrhundert an.
IBMs Quanten-Roadmap umfasst:
- 433-Qubit- und 1.000-Qubit-Prozessoren
- Hybride Quanten-Klassische Systeme
- Partnerschaften mit Fortune-500-Unternehmen zur Erforschung praktischer Anwendungsfälle
IBM bietet nicht die explosive Aufwärtsdynamik kleinerer Quantenaktien, bietet aber Stabilität – und eine diversifizierte Umsatzbasis, die die inhärente Volatilität der Quanten-F&E abfedert.
Die Wildcard: Quantinuum (von Honeywell unterstützt)
Quantinuum, unterstützt von Honeywell, wird weithin als eines der fortschrittlichsten Quantencomputing-Unternehmen der Welt angesehen. Sein neues Helios-System, das letzten Monat eingeführt wurde, wird als „der genaueste Quantencomputer der Welt“ vermarktet. Das Unternehmen plant innerhalb der nächsten zwei Jahre an die Börse zu gehen.
Quantinuums Fortschritte bei der Fehlerkorrektur sind besonders bemerkenswert, da fehlerfreie Qubits der Schlüssel zur praktischen Nutzung von Quantencomputing sind.
Staatsförderung: Ein globales Wettrennen
Quantencomputing ist zu einer geopolitischen Priorität geworden. Die US-Regierung investiert Milliarden durch Programme wie DARPAs Quantum Benchmark Program, das bis 2033 klären soll, ob irgendeine Quantenarchitektur für den praktischen Einsatz skaliert werden kann.
Auf der Q2B-Konferenz sagte DARPAs Joe Altepeter, dass Quantentechnologie sich schneller als erwartet entwickelt, und er glaubt, dass bis Ende 2025 ein oder mehrere industrietaugliche Quantencomputer entstehen könnten.
Dieses Ausmaß an staatlicher Unterstützung ist ein starker Rückenwind für den gesamten Sektor.
Fazit für Investoren: Die Chance – und das Risiko
Quantencomputing-Aktien haben 2025 einige der größten Gewinne am Markt erzielt, bleiben aber hochspekulativ. Wie Fast Company feststellte, hat der Sektor dramatische Rallyes erlebt, auf die ebenso scharfe Rücksetzer folgten.
Dennoch ist das langfristige Potenzial enorm. Analysten schätzen, dass Quantencomputing bis zu 1 Billion US-Dollar an wirtschaftlichem Wert im nächsten Jahrzehnt freisetzen könnte.
Für Investoren mit hoher Risikotoleranz sind die vier zu beobachtenden Aktien:
- D‑Wave Quantum (QBTS) – Momentum-Führer
- IonQ (IONQ) – kapitalstark, skalierbare Architektur
- Rigetti Computing (RGTI) – hochvolatiler, staatlich unterstützter Player
- IBM (IBM) – Unternehmensstabilität mit tiefer F&E
Quantencomputing mag zwar noch Jahre von der vollständigen Kommerzialisierung entfernt sein, doch Wall Street positioniert sich bereits für die nächste technologische Revolution.